unbekannte Rolle

Heute ist mir im Forum mal wieder klar geworden, dass viele Aiqumianer mich als Vorbild betrachten. Es ist mir immer ganz komisch dabei zumute, dieses Gefühl kenne ich so überhaupt noch nicht. Allenfalls als Vorbild für das was man besser nicht machen sollte.

Ich bekomme Lob und Zuspruch und höre immer wieder dass meine Beiträge anderen helfen und meine Abnahme ein gutes Beispiel ist und Mut macht. Klar, ich freue mich darüber, aber es fällt mir schwer damit umzugehen.

Ich merke jetzt gerade dass ich wieder einen Lernschritt vor mir habe. Ich muss lernen mich so zu sehen wie ich bin und dazu gehört eben auch zu sehen wenn ich was hinbekommen habe. Mich über Lob zu freuen ist bei mir was zweischneidiges. In meinem stillen Kämmerchen kann ich das ganz gut aber an der Öffentlichkeit? Da habe ich echte Probleme. Warum eigentlich. Erst einmal kann ich das alles noch nicht so recht glauben. Ich denke immer sofort dass die anderen sich da nur was einbilden oder ich bin ganz verzweifelt weil ich ein so falsches Bild von mir beschrieben habe. Ich verstehe nicht wie jemand Begriffe wie Durchhaltevermögen und Disziplin auf mich anwenden kann. Die müssen da irgendwas falsch verstanden habe, geht mir sofort durch den Kopf.

Ganz automatisch beginne ich dann zu erklären dass das alles überhaupt nicht so ist, dass ich ganz sicher keine Disziplin habe und überhaupt, ich fange an allen zu erklären dass ich überhaupt nicht so bin wie sie mich sehen. Das hat dann zur Folge dass alle mir erzählen dass ich doch so bin und schon klingt es dann so als ob ich nach Komplimenten fischen wollte. Ab da wird es mir dann entsetzlich peinlich weil es ja eigentlich das Gegenteil von dem war was ich erreichen wollte.

Huch, ich glaube da liegt noch so einiges im Argen bei mir. Da muss ich ‚ran.

Warum fühle ich mich so verunsichert bei dem Gedanken ein Vorbild zu sein? Klar, ich denke immer die haben sich da jemanden ausgesucht der nun wirklich nicht als Vorbild taugt. Wenn die wüssten was ich noch nicht erzählt habe, wie schwach und faul und blöd ich doch eigentlich bin. Ich habe eigentlich immer noch in mir drin, dass ich auf der ganzen Ebene ein totaler Versager bin. Vom Verstand her weiß ich dass ich inzwischen einiges hin bekommen habe, aber es ist noch nicht so richtig im Gefühl angekommen. Tja, es ist mir unangenehm im Rampenlicht zu stehen, aber andererseits schreibe ich dies Blog. Da passen einige Sachen einfach nicht zusammen. Vorbild zu sein fordert auch so einiges von mir. Ich muss weiter machen, muss dafür sorgen dass ich meine Rolle ausfüllen kann. Das macht mir manchmal Angst aber auf der anderen Seite macht es mir auch Spaß und ist mir selbst ein Ansporn.

Ich glaube ich möchte in der nächsten Zeit damit arbeiten mich so zu sehen wie ich bin, mit allem was ich habe und nicht habe und kann und nicht kann. Eine realistische Selbsteinschätzung ist notwendig. Das was man hinbekommen hat zu verbergen und nicht anzunehmen ist genauso blöd wie überall damit anzugeben.

Da zeigt sich wieder mein Selbstwertproblem. Gut, ich habe eine neue Aufgabe in der nächsten Zeit, ich will lernen dazu zu stehen, dass ich was hinbekommen habe. Ich kann mich nicht mehr verstecken und so tun als ob ich nichts davon wüsste.

Und von hier noch mal einen lieben Dank an die Leute im Forum, die mir heute mit viel Geduld und ganz sanft den Kopf gewaschen haben. Besonders der Spruch dass ich nun mal Vorbild bin und nichts dagegen machen kann, war gut.

5 thoughts on “unbekannte Rolle

  1. hope 76

    Hi Renate,
    manchmal ist es nicht wirklich einfach sich selbst gegenüber einzugestehen, was man doch eigentlich schon alles geschafft hat – auch wenn es manchmal (wie bei mir) nur Kleinigkeiten sind – sind sie es wert das man sich darüber freut … und du hast schon eine ganze Menge geschafft – sicherlich noch nicht alles – aber für uns alle hast du es verdient voll und ganz unser Vorbild zu sein – schau wie lange du daran gearbeitet hast – es kam auch nicht von heute auf morgen – aber du bist am Ball geblieben, hast dich durchgebissen und weitergemacht und bekommst dafür – auch von außerhalb (uns) den entsprechenden Lohn bzw. das wirklich verdiente Lob …

    Und das hat rein gar nichts mit Mißverständnis zu tun, du hast es dir verdient – BASTA – klar ist es nicht einfach – als Vorbild zu gelten – wenn man sich so selber gar nicht so fühlt – du hast es nicht nötig dich zu rechtfertigen oder aber zu denken du müßtest was richtig stellen – so wie du bist – aufrichtig, ehrlich – einfach nur du selbst – das ist was ich an dir so schätze … auch wenn du es nicht mehr hören kannst – du bist mein Vorbild – die Art und Weise wie du mit dem ganzen umgehst – das ist aller Ehren wert – BASTA – dem hab ich nix mehr hinzuzufügen….

    LG und einen schönen Tag noch
    hope 76

  2. trebelia

    Liebe Renate,

    Es ist bestimmt schwer für Dich, diese „Rolle“ zu akzeptieren. Aber statt Dich zu entschuldigen und es abzuwehren – sag einfach: Ok, ich freu mich über Euer Lob. Warum eigentlich nicht?
    Und auch ein Vorbild kann, darf und muss Fehler haben. Wärst Du rundum perfekt, wärest Du kein Vorbild, sondern irgend was aus höheren Gefielden, und das will ja nun mal keiner. Vorbilder sind für mich Menschen wie Du und ich, mit Fehlern und Schwächen, aber auch halt mit ihren positiven Seiten. Und die hast Du allemal!
    Also: Kopf hoch und sei stolz auf Dich! Irgendwann bist auch Du soweit, dies zu akzeptieren, (ob Du willst oder nicht, grins)

    Liebe Grüße

    trebelia

  3. Karin

    Hallo liebe Renate!

    Ich weiß, wie du dich jetzt fühlst. Alles ist irgendwie so unwirklich…, man erkennst sich manchmal selbst nicht – weder im Spiegel, noch sonst wo.
    Einerseits ist man stolz auf sich, aber andererseits macht es einem auch Angst, weil nichts mehr so ist, wie man es kannte. Es fehlt jede Sicherheit, die muß sich wieder ganz neu erarbeiten, lernen wie und wer man ist…

    Und Renate, hier bist du wirklich Vorbild für viele, aber nur im positiven Sinne. Auch wenn es für dich bis hier abnehmtechnisch nicht schwer war, so ist es für viele sicherlich noch ein weiter Weg und vielleicht auch (noch) unerreichbar. Und mit deinen Beiträgen zeigst du immer ganz offen, wie du dich fühlst und was gerade mit dir passiert. Und ich bin mir sicher, dass können hier viele sehr gut verstehen und nachvollziehen. Du machst ihnen Mut und zeigst ihnen Wege auf, die sie bisher noch nicht gefunden haben. Du gehst souverän mit Krisen um, findest immer wieder Wege um dich selbst zu überlisten ( ich sag nur „Sport“) und du bist dabei menschlich und kein Überwesen, hast Rückschläge, schlechte Tage und vieles mehr und du vversteckst sie nicht. Das macht Mut, denn so geht es uns allen und weil du das so hervorragend meisterst, bist du ein Vorbild!!!

    Toll, dass es dich gibt und ich dich kennenlernen durfte!!!

    LG, Karin 😀 😀 😀

  4. Cora

    Liebe Ranate,

    ich glaube schon, dass es neu und ungewohnt für dich ist, in der für dich (noch) neuen Rolle – die Rolle des Vorbildes.
    Aber betrachte es mal so. Wir auf Aiqum haben alle den gleichen Weg. Wir wissen wo die Steine liegen, die Löcher sind, die Fallen aufgestellt sind oder der verflixte Schweinehund lauert. Der Weg ist lang und schwer. Es gibt Mitglieder, die beschreiten den Weg schon lang, manche geben nach kurzer Zeit wieder auf (als Beispiel die Probanten, die nie Mitgleid werden). Manche gehen den Weg schneller, manche langsamer. Da wir uns aber alle auf dem gleichen Weg befinden, wissen wir, welche Leistung dahinter steckt. Wir freuen uns mit, über jedes verlorene Gramm, was der Andere verliert. Wir sind auch Tröster und Helfer wenn ein Anderer „liegen bleibt“. Und genau das ist der Grund, warum wir deine Leistung objektiv einschätzen können. Andere, die sich nicht auf unserer Insel befinden, würden vieleicht sagen „600g – hmmm schön“. Wir erkennen diese Leistung aber an, und wenn sie, wie von dir, so konstant erbracht werden, werden sie auch besonders anerkannt. Ohne Neid, sondern aus tiefsten Herzen.
    Sicher wirst du noch eine Weile brauchen, um dich mit deiner neuen Rolle vertraut zu machen. Aber sei stolz darauf was du geschafft hat und sag dir immer: „Mit meinen Beiträgen motiviere ich die Anderen.“ Denn das tust du.
    Bitte behalte deine Natürlichkeit und Ehrlichkeit bei und lass uns auch zukünftig an deinem Weg teilhaben. Beim nächsten Figurtest werden wir uns alle wieder mitfreuen, da kannst du dir sicher sein.

    Liebe Grüße
    Cora

  5. Ihr Lieben, ist seid unglaublich!!! Es ist ein ganz ganz tolles Gefühl diese Kommentare hier zu lesen und ja, ich kann mich wirklich darüber freuen. So ganz langsam sickert auch bei mir ein, was ihr mir sagen wollt. Danke dafür, ich kann es jetzt ganz echt und ehrlich annehmen und mich daran freuen.
    lg
    Renate

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