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Schlankheitswahn in Medien und Gesellschaft

Am Wochenende habe ich mich geärgert. Ich habe einen Artikel gelesen, wo sich nach Herzenslust über die Diätenkarriere diverser Promis ausgelassen wurde. Da wurden Bilder der Promis aus schlanken Zeiten gezeigt, meist Aufnahmen von diversen Veranstaltungen, wo die Damen dementsprechend gestylt und aufgeputzt waren. Und dann als Vergleich dazu Schnappschüsse aus unvorteilhaften Perspektiven und eher „privater“ Natur, soweit man bei den Stars und Sternchen überhaupt von so etwas wie einem Privatleben sprechen kann. Oder Fotos von Frauen, die vor kurzem Kinder bekommen haben und naturgemäß noch das eine oder andere Schwangerschaftskilo mit sich herumtragen. Die Bilder waren selbstverständlich untermalt mit gnadenlos aufreißerischen Kommentaren.

Jedenfalls ging mir beim Lesen sowas von die Galle hoch! Der Artikel machte mir einmal mehr bewusst, wie sehr „Dicke“ in unserer Gesellschaft diskriminiert werden. Und wie sehr die Medien ihren Beitrag dazu leisten und den Schlankheitswahn schüren! Nicht nur mit solchen Artikeln, sondern auch durch die Werbung, durch Zeitschriften und Magazine, Plakate, Fernsehen usw. Überall lachen einem attraktive, schlanke Menschen entgegen. Kein Mensch wirbt einem leicht pummeligen Menschen, der vielleicht auch noch eine schiefe Nase und leicht abstehende Ohren hat, für sein Produkt.

Normalos können mit den hohen Maßstäben niemals mithalten

Das Problem dabei ist dass wir uns als Konsumenten, Leser und Betrachter mit diesen vorgegebenen Maßstäben identifizieren und uns vergleichen. Und zweifellos bei diesen Vergleichen meistens eher schlecht aussteigen!

Wie könnte es aber auch anders sein? Medien- und Werbebranche geben uns Maßstäbe vor, mit denen kein normaler Mensch mithalten kann. Es werden uns Models gezeigt, deren ganzes Leben sich darum dreht hübsch auszusehen. Ein ganzes Team an Ernährungs- und Fitnessexperten steht dahinter, ganz abgesehen von Stylisten und Visagisten, die eventuell vorhandene scheinbare Mängel und Defizite auszugleichen wissen.

Schon mal ein Model ungestylt und ungeschminkt gesehen? Ohne Glanz und Glamour rundherum? Das sind dürre, ausgezehrte Hungerhaken. Schön werden sie nur durch das ganze Drumherum. Nicht zu vergessen: Fotos werden retuschiert, alles „Unschöne“ kommt weg und wo etwas fehlt, wird es herbeigezaubert. Es ist absolut unmöglich, als normaler Mensch mit solchen Bildern mitzuhalten! Wenn selbst die Models auf Nachbearbeitung angewiesen sind! Und doch identifzieren wir uns mit dieser vorgegaukelten Illusion von etwas, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. Und wir sind unzufrieden mit dem eigenen Ich.

Vor allem Frauen sind vom Schlankheitswahn betroffen

Interessanterweise ließ sich der Artikel ausschließlich über weibliche Geschlechtsgenossinnen aus. Es gibt aber auch genug Promi-Männer, die im Lauf der Jahre ein ansehnliches Wohlstandsbäuchlein zusammengetragen haben! Wieso schreibt darüber eigentlich niemand einen Artikel? Bei Männern scheint man das durchaus zu akzeptieren und niemand regt sich darüber auf. Und niemandem ist es einen Artikel wert! Oder eine Fotoserie. Der Schlankheitswahn der Medien scheint sich vorwiegend auf Frauen zu beschränken. Sind wir besonders anfällig dafür? Sind Männer weniger kritisch mit sich selbst?

 

 

 

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