Scham

Eine Freundin fragte mich gestern ganz verwundert wie ich nur so viele persönliche Sachen in ein so öffentliches Blog schreiben könnte.

Ich habe eine Weile nachgedacht und bin dann zu dem Schluss gekommen dass es einfach gut ist über vieles zu reden und vor allem vieles aus der Tabuecke herauszuholen.

Ich habe aufgehört mich für mich für meine Alkoholabhängigkeit und auch für mein falsches Essverhalten und meinen Speck zu schämen. Scham ist kontraproduktiv, sie trägt dazu bei dass die schlimmen Zustände manifestiert werden und in ihren heimlichen dunklen Kammern weiter wachsen und gedeihen.

Dabei wäre es so einfach, wenn man mehr über seine Probleme reden würde und viele Menschen treffen würde denen es ähnlich geht. Nur so kann man Hilfe finden und Selbsthilfe organisieren.

Wem nützt es wenn man schweigt und sich schämt? Ganz bestimmt nicht einem selbst. Im Gegenteil. Das Verheimlichen kostet zu viel Energie und die Scham zerrt am Selbstwertgefühl. Probleme sind dazu da gelöst zu werden und wenn man es nicht alleine schafft, dann eben mit Hilfe. Daran ist nichts Schlimmes, man hat auch nicht versagt.

Nützen tut es eher denen, die es brauchen wenn es einem schlecht geht, die jemanden brauchen auf den sie mit dem Finger zeigen können, die jemanden brauchen mit dem sie sich ohne Angst vergleichen können und dabei immer besser dastehen.

Will ich mich zu einem Instrument machen lassen um das Selbstwertgefühl anderer zu steigern? Nein Nein und nochmal Nein.

Ich habe vieles falsch gemacht im Leben, mir sind einige unschöne Dinge passiert, ich habe meine Probleme und bin lange lange Zeit davor weggelaufen. Das Schämen kenne ich zu genüge, es hat mich jahrelang zu Hause eingesperrt. Ich traute mich kaum mehr auf die Straße weil ich immer dachte dass doch nun wirklich jeder sehen müsste was für eine Versagerin ich wäre.

Das ist nun vorbei. Ich schäme mich nicht mehr und ich bin sicher dass es ganz viele Menschen gibt, denen es ähnlich geht wie mir. Es ist doch viel besser sich zusammen zu tun und sich gegenseitig zu helfen, als sich nur miteinander zu vergleichen und mit dem Finger aufeinander zu zeigen.

Dazu gehört eben auch eine gewisse Offenheit. Ich fühle mich innerlich stark genug und habe keine Angst mehr das Risiko einzugehen wegen meiner Offenheit verletzt zu werden. Viel mehr Angst habe ich davor wieder in meine dunkle versteckte Schamecke zurückzumüssen.

2 thoughts on “Scham

  1. Hi Renate, ich habe diese Schamgeschichte nie verstanden. Kommunikation ist nun mal der Schlüssel. An anderer Stelle haben wir ja aber schon mal über diese Überlieferungen „Darüber spricht mensch nicht“, „Das geht doch keinen was an“, „Wie kannst du über sowas reden, was sollen denn die Leute von dir denken“. Ich empfinde das als negativ. Alles was mit mir passiert ist natürlich, es kann jedem/r anderen auch passieren und um einen angemessenen Umgang zu finden muss ich reden. Muss mich austauschen. Ich glaube das dieses Scham einreden auch viel mit Bequemlichkeit zu tun hat. Solange du deine Abgründe für dich behältst, müssen deine Mitmenschen nicht hinsehen, bist du bequem für sie. Und vor allem brauchen sie nicht auf ihre eigenen dunklen Flecken gucken. Denn die hat nun mal jeder.
    Alles liebe
    Karin

  2. Du hast Recht Karin, das IST negativ und ein beliebtes Machtinstrument. Deswegen ist es mir so wichtig aus dieser Ecke herauszukommen.
    Im Austausch liegt der Schlüssel.
    lg
    Renate

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