Psycho-Diät und Pizza

Immer öfter merke ich dass die Ansätze der sogenannten Psycho-Diät richtig sind, sie sind nur nicht umsetzbar für jemanden der tief in einer Essstörung steckt.

Das Prinzip nur das zu essen was für einen „summt“ gleich nur das zu essen worauf man wirklich Lust hat, ist eigentlich ideal. Nur das Herausfinden was es denn ist und das „Summen“ dann noch vom „Winken“ zu unterscheiden, das ist schwierig.

Das „Winken“ ist die Verlockung, die einem von außen zuwinkt. Das Summen kommt tief aus dem eigenen Bedürfnis heraus. Wie gesagt, ist es nur fast ummöglich zu unterscheiden was summt und was winkt, wenn man gewohnt ist sich mit Essen zu belohnen, oder Frust mit Essen zu kompensieren. Die Gefühle sind dann so verschüttet und verwaschen, dass man überhaupt nicht an das „Summen“ herankommt und praktisch alles nur winkt für einen.

Jetzt, nach gut einem Jahr Aiqum, nach gut einem Jahr in dem ich mich so intensiv wie nie zuvor mit dem Essen und dem Sport auseinandergesetzt habe, komme ich manchmal an diese Unterscheidung heran. Ein gutes Beispiel war gestern. Ich hatte uns eigentlich ein gesundes Essen mit Kartoffeln, Blumenkohl, Erbsen und Champignons geplant.

Aber gestern war, wie schon in einem früheren Beitrag geschrieben, mein Verweigerungstag. Ich hatte keine Lust auf Sport, keine Lust auf Kochen und keine Lust auf gesundes Essen. Es war dann auch nicht schwer meinen Mann davon zu überzeugen uns eine Pizza zu holen.

Diese Pizza habe ich gaaanz langsam, Happen für Happen mit größten Genuss gegessen und ich war total satt danach, obwohl es die Variante mit ganz dünnen Boden war und nicht so viel Masse hatte. Eigentlich bin ich ja eher puristisch eingestellt was das Essen betrifft und auch ein wenig snobistisch, fürchte ich. Ich mag am liebsten die Originalrezepte mit ursprünglichen Zutaten. So auch die Art Teigfladen aus denen dann die Pizza entstanden sein soll. Einfach ein Hefeteigfladen, etwa handtellergroß, bestrichen mit etwas dicker Tomatensoße, belegt mit ganz wenig Sachen, etwas Salami, vielleicht ein paar Oliven, das kommt immer auf die Gegend und die Jahreszeit an. Fehlen darf dann aber niemals der echte Büffelmozarella und gutes Olivenöl.

Irgendwo habe ich gelesen dass für die Feldarbeiter gab und es an Feuerstellen am Feldrand zubereitet wurde. Was davon stimmt weiß ich nicht, aber wir haben das mal bei Bekannten im Lehmbackofen zubereitet und es war absolut köstlich und ein Fetenrenner.

Huch, nun bin ich abgeschweift.

Also diese Pizza hat gestern eindeutig für mich gesummt und ich habe mich hinterher ganz wunderbar gefühlt. Es war alles was ich wollte. Ich kenne das aber auch anders, immer dann wenn ich mir nur einbilde dass es jetzt Pizza sein muss, dann habe ich hinterher immer noch Esslust, die sich dann leicht zum Fressanfall steigert. Erst ist es meist noch etwas Käse, dann noch eine Schnitte Brot etc.

Etwas Ähnliches habe ich mit einigen anderen Gerichten erlebt, besonders mit Rezepten aus der Kindheit. Es gibt da eine Art Leckerei bestehend aus Zwieback, kurz in süße Eiermilch getunkt, abwechseln mit Apfelmus und Apfelscheiben in eine Auflaufform geschichtet. Oben streicht man Eischnee mit Zucker auf und das Ganze wird lecker braun gebacken. Irgendwann kam ich drauf dass es eigentlich überhaupt nicht der Zwieback ist den ich so gerne esse, es war eher diese Mischung aus Baiser und Frucht, die so klasse war. Wenn ich jetzt Lust auf dieses Auflauf habe, dann lege ich eine Form nur mit Apfelscheiben aus und streiche dann die Eiweissmasse auf. Das hat nun lange nicht so viel Kalorien und stillt bei mir das gleiche Bedürfnis wie es der ganze Auflauf getan hat.

Es lohnt sich also immer etwas Mühe und Aufmerksamkeit darauf zu verwenden, herauszufinden was man wirklich essen will.

4 thoughts on “Psycho-Diät und Pizza

  1. Das „Summen“ und „Winken“ finde ich eine gute Bezeichnung. 😎
    Was mir sehr geholfen hat war, auf chemische „Täuscher“ zu verzichten. Dann ist es eigentlich ganz leicht zwischen summen und winken zu unterscheiden.

  2. Stimmt Horst, das wäre dann noch der zweite Schritt. Ich habe es bei mir erlebt dass ich regelrecht süchtig nach bestimmten Konservierungsmitteln war. Ich habe diese Fertigsalate wie Eiersalat, Thunfischsalat etc in Mengen gegessen und bekam überhaupt nicht genug davon. Dann habe ich mich mal einen Monat auf Entzug gesetzt und danach wieder einen Salat essen wollen. Er schmeckt künstlich und ich wußte überhaupt nicht warum ich die so gerne gegessen habe.
    lg
    Renate

  3. Marie

    Hallo Renate. Das mit dem Summen und Winken habe ich schon mal in einem buch gelesen. Meine heutige 19 jährige hatte schlimme Allergien und eine nicht richtig funktionierende Bauchspeicheldrüse. Jeder Gang in den Supermarkt wurde zur Odysee:-(. Ich stöberte stundenlang und kam doch oft ohne Lebensmittel wieder raus. Dann habe ich sehr vieles selbergemacht und mich vorsichtig rangetastet. Jedenfalls konnte ich zb fertigen Pudding gan nicht mehr essen…er schmeckte widerlich.Obwohl er gewinkt hatte.

    LG Marie

  4. Hallo Marie,
    ich glaube es geht wirklich darum wieder zu lernen zu spüren was einem gut tut und was nicht. Wenn man jahrzehntelang nur auf das Winken gehört hat, dann ist die echte Wahrnehmung verschüttet. Die Werbung arbeitet ja auch mit diesen Winkgelüsten.
    lg
    Renate

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