mich gehen lassen – Gedanken dazu

Von einer lieben Freundin bekam ich den Rat mich gehen zu lassen. Das fällt mir sehr schwer, ist aber im Moment genau die richtige Therapie. Wie macht man das? Wie lässt man sich gehen? Das ist doch was anderes als sich weg zu träumen, was anderes als einfach faul zu sein. Gehen lassen. Einfach irgendwo hin gehen wo ein Impuls mich hin zieht? Ohne groß zu überlegen ohne Bewertung ohne Kontrolle?

Ich glaube ich kann mich nicht gehen lassen weil ich immer die Kontrolle im Kopf habe, weil ich mich immer selbst beurteile und bewerte. Mein Kopf ist leider immer dabei.

Hm, um mich gehen zu lassen muss ich aber auch wieder das Fühlen und Wahrnehmen lernen. Wenn ich mich dahin gehen lasse wo es mich hin zieht, muss ich ja immerhin erst mal merken wo es mich überhaupt hin zieht und ob es mich überhaupt irgendwo hin zieht.

Mich gehen zu lassen ist für mich bisher nur negativ besetzt, es ist mit ausufernden Essen verbunden, Besäufnissen und miesen Streitereien. schwänzen und nur herumgammeln gehört auch dazu. Das ist aber nicht das was meine Freundin mir geraten hat. Ich glaube das ist es nicht, das richtige „gehen lassen“. Das ist eher ein Weglaufen oder noch schlimmer, ein selbstverletzendes Verhalten.
Zum sich gehen lassen gehört eben dazu, dass man auf seine Impulse hört und seine Gefühle wahrnimmt. Ah, beim Schreiben fällt mir ein Schlüssel ein, es gehört Bewusstheit dazu. Wenn man in die Unbewusstheit abdriftet, lässt man sich nicht mehr gehen, man läuft nur weg und lässt sich höchstens von irgendwelchen Impulsen treiben und diese Impulse kommen oft von außen, wie bestimmte Essgelüste. Wenn man sich seiner selbst bewusst bleibt, dann unterscheidet man ob der Impuls von innen oder von außen kommt. Und es fordert auch Mut seinen Impulsen nach zu gehen.

Ah ja, nun bin ich schon ein Stückchen weiter. Sich gehen zu lassen braucht also Bewussheit und Mut.

Warum ist dieses Wort „Sich gehen zu lassen“ eigentlich so negativ besetzt. „Lass Dich nicht so gehen“ hört man meist als Rüge. Wenn man sich richtig gehen lässt, dann geht man wohin man wirklich will. Und das könnte für die Mitmenschen unbequem und sogar gefährlich sein. Zumindest ist man dann nicht mehr so manipulierbar und gut einzufügen.

Ja, ich glaube ich werde üben mich gehen zu lassen.

5 thoughts on “mich gehen lassen – Gedanken dazu

  1. Karin

    hallo Renate!

    Wie immer hast du deine Gedanken trefflich formuliert. Ich kenne „sich gehen lassen“ auch nur mit dem negativen Aspekt. Ich denke das positive „sich gehen lassen“ ist auch gleich zusetzen mit: sich Zeit für sich nehmen. Nicht immer den Alltagstrott erledigen zu müssen, Dinge nach Lust und Laune zuerledigen und auch mal Dinge liegen lassen zu können.

    Mir geht es ähnlich wie dir, ich kann auch nicht loslassen, mein Bewußtsein ist auch immer dabei. Und irgendwann holen sich der Körper und Geist diese pause von alleine, bloß wir erkennen dieses nicht gleich als Erholung, sondern denken „man warum bin ich bloß so kaputt und lustlos?“.
    Hier müssen wir wohl noch lernen rechtzeitig für dieses „sich gehen lassen“ zusorgen.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall ein schönes „Sich-gehen-lassen“!!!

    Alles Liebe, Karin 🙂 🙂 🙂

  2. Danke Karin,
    ja, üben wir das „Sich gehen lassen“. Wenn es gelingt ist es wunderbar.
    Und es steckt auch so viel Selbstakzeptanz dahinter. Man gibt sich die Erlaubnis zu gehen. Das ist sehr schön, finde ich.
    lg
    Renate

  3. Ich glaube, dass dieses sich gehen lassen so negativ besetzt ist, hat damit zu tun, dass wir in einer Gesellschaft leben in der Fuktioniert werden soll. Da passt sich gehen lassen nicht rein. Und so werden Menschen mit Übergewicht, Menschen die nicht der Norm entsprechen, Menschen ohne Disziplin zu Sich gehenlassern.
    Dabei erfordert sich gehen lassen, also das positive sehr viel Disziplin und sehr viel Vertrauen. Nicht planen sondern bewußt die Kontrolle aufgeben, dass ist eine tolle Erfahrung.
    Alles Liebe
    Karin

  4. Stimmt Karin, Disziplin und Vertrauen gehören zwingend dazu. Da hätten wir nun also Bewusstheit, Mut, Disziplin und Vertrauen. Das alles lässt einen die Angst vor dem Unbekannten und Unkontrollierten überwinden.
    Was gibt eigentlich für eine bessere Erfahrung?
    Und wieso wird so etwas einfach belächelt und verächtlich gemacht? Etwas in unserer Gesellschaft scheint krank zu sein.
    lg
    Renate

  5. In unserer Gesellschaft ist krank das wir für Wirtschaft, Politik und Kirche nicht mehr Menschen sind, sondern Verbraucher, Steuerzahler und Stimmvieh. Als solche haben wir zu funktionieren und zu konsumieren, aber nicht in den Tag zu träumen und auf den Trichter kommen, dass hier etwas gründlich falsch läuft.
    Lg Karin

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