Meine Gedanken zum Selbstbildartikel von Karin

Ich habe meine Gedanken erst als Kommentar geschrieben, aber es wurde so lang dass ich mich dazu entschlossen habe einen neuen Artikel davon zu machen.

Nachdem ich Deinen Artikel mehrfach langsam und nachdenklich gelesen hatte, habe ich versucht auf einige der Fragen eine Antwort zu finden.

Es ist wirklich seltsam und traurig. Immer wieder komme ich zu der Grundfrage warum man sich vom Anderssein so bedroht fühlt. Ich glaube nämlich dass das Gefühl der Bedrohung hinter dem Impuls steckt, das Anderssein als Schwäche zu deuten und verächtlich darauf zu reagieren.
Warum haben so viele Menschen Problem mit anders aussehenden und sich anders benehmenden Menschen? Sei es nun eine andere Hautfarbe, eine andere sexuelle Orientierung, eine starke Abweichung vom gängigen Schönheitsideal.
Es zwingt einen dazu seine eigene Rolle zu überdenken und eventuell neu zu definieren. Man wird auf sich selbst gestoßen, wird dazu gezwungen sich zu zeigen und auch die eigenen Werte dem Vergleich zu stellen. Es ist einfacher in einer Gruppe zu sein die die gleichen Normen hat und deren Erfüllung anstrebt. Da wird nichts in Frage gestellt. Da kann man einfach mitschwingen ohne weiter darüber nachzudenken. Da kann man ganz leicht zu einer Art von Selbstwert kommen indem man vielleicht noch etwas normaler ist als der Mensch neben einem. Das macht nicht so viel Arbeit und fordert nicht so viel Energie. Das kenne ich von mir genau. Mein Wunsch doch endlich mal ganz normal zu sein, kommt aus dieser Ecke. Mir scheint dass die Menschen sich nicht gerne vorwärts bewegen sondern gerne mit Zähnen und Klauen am Gewohnten festhalten.

Klar, das Vorwärtsbewegen birgt auch gewissen Risiken und das Leben ist doch so schon hart genug….
Sollte ein hochdekorierter Soldat, der alle Attribute seines Standes perfekt ausfüllt, der die perfekte Haltung in seiner perfekten Uniform hat und stolz auf die Orden ist, dann neben einem Menschen stehen den das alles nicht interessiert, der das Gegenteil angestrebt hat, der sich weigerte einen Besenstiel zu verschlucken, der schlampig herumläuft und auf Disziplin pfeift und der im Gegenteil mit Genuss seine Hüften und seinen Hintern bewegt, tja dann ist es für diesen Soldaten der einfachste Weg den anderen als Schlunz, als undiszipliniertes feiges Etwas etc abzustempeln. Sollte er diesen anderen Menschen auf gleicher Ebene akzeptieren, dann müsste er seine eigene Rolle in Frage stellen und käme ganz eventuell darauf, dass sie überhaupt nicht so erstrebenswert war. Und dann käme die bittere Erkenntnis dass eventuell Jahre des Drills und der Disziplin umsonst, ja sogar schädlich waren. Das ist die Gefahr die dahinter steckt, das Anderssein zu akzeptieren und als gleichwertig anzuerkennen. Im positiven Fall, der zum Glück eben auch oft eintritt, kommt der Soldat bei dem ehrlichen Vergleich auf die Antwort dass der Weg den er für sich gewählt hat, auch der Richtige ist und dass er keinen negativ Vergleich mehr braucht um sich das zu bestätigen. Vielleicht kommt er darauf dass diese steife Haltung nicht gerade rückenfreundlich ist und beginnt mit irgend einem Ausgleichsport.

Im Gegenzug dazu fühlt der Freak sich dann auch nicht durch den Soldaten bedroht und herabgesetzt und braucht keine Abwehrmechanismen mehr. So können sie sich im gegenseitigen Respekt die Hände geben auch wenn sie völlig andere Werte haben und grundsätzlich andere Dinge vom Leben wollen.

So in etwas funktioniert der Mechanismus, denke ich.

Und um wieder aufs Abnehmen zurückzukommen. Es wird mir immer klarer dass der allererste und allerwichtigste Schritt für eine Veränderung der ist, sich selbst so zu sehen wie man ist. Man muss erst mal Bilanz ziehen und seinen Standort bestimmen. Man muss erkennen was man hat und was einem fehlt. Erst dann kann man erkennen was man will, beziehungsweise ob man es wirklich will oder ob man irgendeinem Diktat von außen gehorcht. Und erst dann kennt man auch das Material, bestehend aus Fähigkeiten, Talenten etc, das man zur Verfügung hat um diese Veränderung durchzuführen.

Am Anfang von jeder Veränderung sollte der Satz stehen:

Erkenne Dich selbst

Die Inschrift am Apollon-Tempel zu Delphi ist nach wie vor so wahr.

Und noch einen Aspekt gibt es. Wenn wir uns selbst kennen und zu uns stehen, dann sind wir nicht mehr manipulierbar. Wir sitzen dann nicht mehr der Werbung auf, kaufen nicht mehr die angepriesenen Produkte, wir haben dann Macht.

Und um noch mal auf das Abnehmen zu kommen, wir fallen gerade in diesem Bereich dann auch nicht mehr auf die Anzeigen herein, die blaue Wunder versprechen und viel Geld kosten.

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