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Abnehmen und Tipps – erfolgreich abnehmen

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Kleider machen Liebe, oder was ihr wollt

Unser Abend gestern war unglaublich schön. Irgendwie konnten wir es noch nicht fassen, dass wir wirklich zu einem Musical gehen, im Rahmen der Festwochen Herrenhausen. Der Kartenpreis wären für uns immer jenseits von Gut und Böse gewesen, bzw das Geld das wir für Kultur übrig haben, fließt eigentlich immer in die Preise für Jazz-Konzerte denn die sind unsere große Leidenschaft.

Unser Stimmung war in den letzen Wochen eher etwas gedrückt und etwas träge und gelangweilt, wir haben mal Input gebraucht und den haben wir bekommen.

Zuerst war es schon schön sich auf den Abend vorzubereiten. Ich habe das Essen geplant, so dass wir kurz vor Abfahrt noch eine leichte Suppe gegessen haben um keinen Heißhunger zu bekommen der uns dazu verlockt hätte die viel zu teuren und viel zu fetten Leckereien vor Ort zu kaufen. Für hinterher hatten wir dann noch ein Essen geplant, das wir von unserem türkischen Lieblings-Edel-Imbiss mitbringen wollten, aber dazu später.

Wir haben uns überlegt was wir anziehen wollten, was passend ist für so eine Veranstaltung. Nicht so edel wie im Theater bei einer Oper oder einem klassischen Konzert, aber auch nicht gerade in Jeans. Ich war froh über die Klamotten, die ich mir zur Konfirmation meiner Nichte gekauft habe. Die waren absolut passend.

Diese Vorbereitungen machen schon so eine erwartungsvolle Stimmung.

Den Veranstaltungsort kannte ich schon von einem Tango-Konzert, das ich vor Jahren mal dort gehört habe. Trotzdem hat es mich wieder verzaubert. Es ist eine Bühne mitten in den Herrenhäuser Gärten aufgebaut, umgeben von hohen Hecken und umrahmt von Skulpturen.

Wir saßen recht weit vorne, so dass wir wirklich alles gut im Blick hatten, wenn uns auch der Überblick manchmal fehlte, den man von den oberen Plätzen hat. Aber die Plätze waren mittig vor der Bühne, so dass wir sehr zufrieden waren.

Ja und man kann von dem Liedermacher HRK halten was man will, texten kann er. Ich fand es absolut genial. Shakespeare frisch und modern. Das Motto „Shakespeare lebt“ war wirklich wahr. Die Musik war stimmig und wir haben uns vom Bühnengeschehen ganz und gar verzaubern lassen. Die Kulisse war durch den Rahmen des Gartentheaters bestimmt. Die Sommernacht war herrlich, warm genug, ganz weiche milde Luft. Es war eine absolut romantische Stimmung zu der das Stück ganz wunderbar passte. Wir haben großäugig und aufgerichtet wie die Kinder auf unseren Stühlen gesessen und uns in den Bann der Aufführung ziehen lassen. Da wir sowas eigentlich nie machen war es wirklich was ganz Besonderes und wir haben einfach ganz unverkrampft genossen und auch unsere Begeisterung gezeigt. Mehr als einmal habe ich die Leute um mich herum zum Klatschen animiert, das war mir erst hinterher aufgefallen.

Ach der Narr, der hat mich bis in die Träume verfolgt, an dem hatte ich wirklich einen Narren gefressen.

Natürlich ist es im Laufe der Aufführung dunkel geworden, sie begann ja auch erst um 20 Uhr. Als es zuende war standen wir noch immer unter deren Bann und wollten eigentlich nach Hause gehen. Aber die Gärten haben zu sehr gelockt. Ich wohne nun zwar schon ein paar Jahre in Hannover, aber ich war noch nie in den Gärten selbst. Das kostet Eintritt und eigentlich mag ich diese gezähmte und bezwungene Natur nicht. Ich mag lieber wenn alles wild wuchert. Diese abgezirkelten und beschnittenen Bäume und Sträucher tun mir irgendwie immer leid und die Geisteshaltung die dahinter steckt gefällt mir auch nicht. Die Natur beherrschen mag ich nicht. Aber ich hatte nicht mit dem Zauber der Nacht gerechnet. Wir waren sowieso noch im Märchenland, dazu diese weiche Luft, diese schweren Blütendüfte vermischt mit Grillgeruch und ab und zu einem Parfümhauch, die Zuschauer die sich sehr still verhielten und sich zwischen den Hecken verloren, die frisch verliebten Paare die sich den Rat des Stücks zu Herzen nahmen und sich in die dunklen Ecken kuschelten, und vor allem das verheißungsvolle und geheimnisvolle Plätschern. Wir haben uns einfach treiben lassen, gehörten irgendwie nicht mehr ganz auf diese Welt in diese Realität. Zwischen dunklen hohen Buchs-Hecken sahen wir ganz weit hinten eine Fontäne aus Feuer, so schien es mir. Es sah von weit entfert so aus als würden dort hinten Funken aufsteigen und wieder zur Erde regnen. Es waren die Wasserspiele, von innen mit warm-gelben Licht beleuchtet. Man sah die dunklen Hecken, viele Menschen die fast schweigend und andächtig durch die Gänge wandelten, nur als dunkle Silhouetten sichtbar, das Licht der Sommernacht und dann diesen Wasser-Funken-Regen. Der erste Brunnen zog uns geradezu magisch an. Wir sind darauf zugegangen als könnten wir nicht anders. Und das ging nicht nur uns so. Ich habe Gesprächsfetzen aufgeschnappt, die das Gleiche sagten.

Dann drehte man den Kopf zur Seite und sah am Ende des abzweigenden Ganges den nächsten Brunnen. Eine Wasserfläche war übersäht von kleinen beleuchteten Fontänen und es sah aus als würde aus dem Wasser Feuer aufsteigen. Das Schönste war eine hohe Fontäne, die wie in weichen Schleiern zu Boden rann. Es ging ein leichter Wind so dass es aussah wie ein Elementargeist, ein Elf mit wehenden Gewändern. Wir hatten die Augen aufgerissen, haben uns langsam Schritt für Schritt darauf zu bewegt und standen dann staunend am Fuß der Fontäne.

Das Schöne war, dass es auf alle ganz ähnlich wirkte. Ob alt ob jung, ob in Abendgarderobe ob in Jeans, die Stimmung wirkte auf alle.

Als wir dann wieder in der Stadtbahn saßen, merkten wir erst wie spät es inzwischen war. Schon nach 23 Uhr, es wurde knapp mit dem Essen. Wir haben uns schon Alternativen ausgedacht falls der Laden schon zu hatte.

Aber erst mal gab es noch ein Erlebnis in der Bahn. Sie war voll, ich stand in der Mitte zwischen den Sitzreihen und hielt mich an einer Schlaufe fest und ließ mich von den Bahnruckeleien wiegen. Links und rechts konnte ich in die großen Seitenscheiben sehen und da es draußen dunkel war, wirkten sie als Spiegel. Ich habe mich betrachten können wie in zwei gegenüberstehenden Ganzkörperspiegeln und was ich da sah gefiel mir. Ich habe noch einmal so richtig darüber gestaunt wie anders das Bild von mir nun aussieht, das der Spiegel mir schickte. Noch nicht schlank, aber ganz normal und ganz gut proportioniert. Die Kleidung die ich mir gekauft habe stand mir, die Frisur ebenfalls, ich habe mich selbst einfach mal eine Weile wohlwollen betrachtet und mir dabei vor Augen geführt dass es das ist was die Leute jetzt von mir sehen. Es fällt mir immer noch schwer mein neues Aussehen mit dem Bild zusammen zu bringen, das ich von mir gespeichert habe. Ich habe noch nicht so richtig realisiert was es bedeutet 40 Kilo leichter zu sein.

Auf dem Rückweg kamen wir zu spät an den Laden. Die Leute saßen noch dort und erholten sich von der Tagesarbeit. Jürgen hat an die Scheibe geklopft und so haben wir jeder noch ein kleines Spinat-Pide für fast umsonst bekommen. Das war Glück und das lag auch daran dass wir schon seit Eröffnung Stammkunden sind.

Nach so einem Abend waren wir dann auch in Sekt-Laune. Gut dass wir in der Stadt leben, die Kioske bieten noch alles was man um diese Uhrzeit so braucht. Wir haben also noch zwei Piccolos gekauft.

Zuhause haben wir uns dann zu einem romantischen Mitternachtsmahl hingesetzt, bestehend aus dem kleinen Stück Pide für jeden, ein halbes Baguettebrötchen mit etwas Schinken und einem gekochten Ei und Tomatenachteln und Brunnenkresse belegt. Es war genial lecker und klasse so in der unaufgeräumten Küche zu sitzen, das zusammengeschusterte Essen zu genießen und langsam und andächtig den Sekt zu trinken.

Wie gut dass das jetzt ab und zu wieder geht.

Und dann kam noch das allerschönste vom Abend. Jürgen druckste etwas herum, er ist sowas nicht gewöhnt. Er begann aufzuzählen was Diana und die Therapie mir gebracht haben und wie froh er ist dass ich so einen Laden wie Aiqum gefunden habe, wo ich lernen konnte das Essen zu genießen und völlig gelassen und entspannt essen kann was ich will. Er hatte schon befürchtet dass das Essen für mich Dauerthema bleibt und immer mit Zwang und Verzicht verbunden ist aber nun merkt er dass die Aufmerksamkeit die ich den Essen am Anfang gewidmet habe, sich auszahlt. Ich kann ganz spontan mit dem Essen umgehen. Und nun ist auch noch das Alkoholtabu gebrochen, so dass das wieder geht was er doch lange vermisst hat mit mir.

Eben so kleine spontane Imbisse mit einem Glas Sekt oder einem Edelwein und das alles ganz zwanglos. Er fing an dass es toll wäre so mit mir hier zu sitzen und zählte noch einige Dinge auf bis dann kam: „Und überhaupt, du siehst toll aus!“

Das kam so von Herzen, ich bin ihm und den Hals geflogen und er wurde etwas rot und verlegen weil er so etwas nicht gewohnt ist zu sagen.

Ja, der gestrige Abend war zauberhaft schön, ich denke Shakespeare hätte seine Freude daran gehabt.

3 Kommentare zu “Kleider machen Liebe, oder was ihr wollt”

  1. Karin schreibt:

    Ach Renate ist das schön. Ich freue mich so für euch, dass ihr es geschafft habt wieder zueinander zu finden.
    Von der Aufführung hat der Kunze neulich irgendwo erzählt. Fand ich auch interessant, nur eben leider habe ich ein total gestörtes Verhältnis zu Musical…
    LG Karin

  2. Requendel schreibt:

    Hey Karin, ja, wir freuen uns beide auch sehr darüber ;-). Musicals waren auch nicht so unbedingt unsere Sache, aber auf der Bühne live ist das immer noch was anderes, denke ich. Ich bewundere die Leute die wirklich alles können. Schauspielern, Tanzen und Singen. Das muss eine extrem harte Ausbildung sein.
    lg Renate
    PS. Bis heute abend

  3. Karin schreibt:

    Live ist es meistens etwas anderes. Ich würde es mir wahrscheinlich wegen Shakespeare ansehen. Den liebe ich nämlich und Was ihr wollt habe ich noch nie gesehen.
    Freue mich auf heute abend.
    Alles Liebe
    Karin

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