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Erinnerungen an dicke Zeiten

Im Moment kommen bei mir wieder allerlei ungeliebte Erinnerungen hoch. Ich hatte anscheinend zwei große Schwellen. Die erste war als ich die 70 Kilo erreichte, in der fünften bis sechsten Klasse.

Die zweite Schwelle war als ich die 80 Kilo erreichte und da stecke ich ja gerade mitten drin. Es kann auch sein dass ich die Pause brauche, weil ich erst mal herausklamüsern muss was da eigentlich los war in der Zeit. Warum habe ich da noch so einen Sprung nach oben gemacht?

Seltsam. In beiden Fällen hatte es mit Versagen in der Schule zu tun. Für dieses Versagen habe ich natürlich nur mir die Schuld gegeben und das habe ich mir wohl versucht weg zu essen.

Dieser Sprung bis zu 80 Kilo und weiter kam mit der Einsicht dass ich an der damaligen Schule mein Abi wohl nicht schaffen werde. Natürlich lag es an mir, ich habe oft geschwänzt und nur sporadisch was getan. Aber die Umstände waren für mich nicht besonders günstig. Erst mal lag zuhause einiges im Argen, ich hatte noch zu viel aus der jüngeren Vergangenheit aufzuarbeiten und das fällt einem mit 17 und 18 Jahren recht schwer. Zudem habe ich das Gefühl gehabt dass man, besser gesagt ein Teil der Lehrer und der Direktor, mich von der Schule haben wollten. Jahre später ist es mir indirekt bestätigt worden.

Gemerkt habe ich es an vielen Kleinigkeiten. Meine Schultasche wurde zum Beispiel oft durchsucht in der Pause und einige Lehrer verhielten sich ungerecht und brutal zu mir. Mein Französischlehrer schrie mich regelmäßig im Sprachlabor durch den Kopfhörer auf Französisch zusammen, da hörte nur ich was er sagte. Heute würde man wohl sagen dass ich gemobbt wurde. Na klar, ich reagierte mit Rebellion und Trotz und lief mit „Legalize“ und „Hyde Park Osnabrück“ Aufklebern auf der Schultasche herum. Lustig ist dass ich in der Zeit fast nie gekifft hatte und eigentlich sehr brav war. Gut, ich habe mich für ein unabhängiges Jungendzentrum engagiert und bin durch die Gegend getrampt, aber diese Aktionen waren immer begleitet und eher auch bildend, zumindest was die Kultur anging. Ich erinnere mich noch an eine Fellini-Filmreihe und an Musikfilme über die Jungendkulturen aus der Zeit in der die Fellini-Filme entstanden. Das wurde dann in Zusammenhang zu den gesellschaftlichen und politischen Umständen in den Zeiten gebracht. Das war spannend und ich konnte dabei diskutieren lernen.

Die Schule war privat und mit katholischer Trägerschaft. Ich passte nicht hinein. Meine erste Tat nach meinem 18 Geburtstag war dass ich mich von der Schule abgemeldet habe. Leider war ich ohne Perspektive und hing herum und fühlte mich doch als Versagerin. Da kamen dann im Eiltempo die Kilos zu mir.

Als ich dann, Jahre später, mein Abi an einem Kolleg nachholte, traf ich dort meinen ehemaligen Tutor vom Gymnasium. Er nahm mich auf dem Schulhof beiseite, ich wollte eigentlich nichts von ihm hören und auch nicht über damals reden, ich wollte eigentlich nichts mehr aus der alten Zeit wissen. Er hat mich aber dazu gezwungen mit den Worten dass man da noch mal drüber reden müsse. Er gab mir nur den einen Satz mit: „Man hat es Dir damals nicht leicht gemacht man wollte Dich nicht an der Schule haben“

Dieser Satz war Balsam auf eine alte Wunde, nur war es zu spät, ich hätte es 10 Jahre früher gebraucht oder ich hätte aktive Unterstützung noch wärend der Schulzeit gebraucht. Ich weiß von drei Lehrern die versucht haben mir zu helfen. Der eine war der Vater einer Freundin, er bot mir an mich abzuholen auf dem Weg zur Schule, so dass ich dort regelmäßig erscheinen konnte. Er wusste dass ich alleine bin zuhause. Ein zweiter nahm mich öfter mal beiseite und redete mit mir wie zu einem normalen Menschen, das tat auch gut.

Ein dritter, eben jener Tutor, nahm mich im Unterricht ernst und sein Fach war das einzige in dem ich auf dem Abgangszeugnis gute Noten hatte. Ausgerechnet in Religion, aber ich fand es einfach spannend und faszinierend Bibelstellen mit dem kommunistischen Manifest zu vergleichen. Utopien war das Kursthema, ich weiß es heute noch.

Zwei dieser Lehrer hatten selbst Probleme an der Schule.

Ja, ich bin dick geworden aus dem Gefühl heraus das ich versagt habe, ich wollte mich auch selbst bestrafen dafür und das ich meine Figur nicht unter Kontrolle bekam war noch ein weiterer Grund mich als Versagerin zu fühlen.

Das ist ein Muster, so einen Schub hatte ich auch schon bei meiner ersten Schwelle zum dick werden in der 5. Klasse.

Komisch, heute früh bin ich mit solchen Gedanken aufgewacht und mit Kopfschmerzen. Ich habe wild geträumt und fühle mich als wäre ich mit mindestens fünf falschen Füssen aufgestanden, mein Mann darf mir heute nicht in die Quere kommen. Ich igle mich ein und versuche zu sortieren.

Ich habe das Gefühl dass ich da erst einfach durch muss und dass das ein Ziel dieser Pause ist. Vorher läuft es nicht weiter mit dem Abnehmen.
Vorher komme ich auch noch nicht in ein unverkrampftes Essverhalten.

2 Kommentare zu “Erinnerungen an dicke Zeiten”

  1. Karin schreibt:

    Und wieder läuft bei uns was paralell. 🙂 Ich kämpfe auch gerade mit alten Erinnerungen. Habe das Gefühl da wiederholt sich gerade was, dass mir immer sehr zu schaffen gemacht hat. Nämlich das ich mich „anpassen“ muss um akzeptiert zu sein. LG Karin

  2. Requendel schreibt:

    Ups, diese Zeitgleichen sind wirklich sehr merkwürdig. Na ja, Augen und Ohren und andere Sinne auf und durch, auf dass wir das endlich mal sortiert kriegen und hinter uns lassen können.
    lg
    Renate

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