Der Körper lügt nie

Ich lasse immer noch sacken, was ich so aus dem Kurs „Grenzen und Freiräume“ für mich mitgenommen habe.

Wir lernen dort unseren Körper zu verstehen, unsere Stimmungen und Gefühle an Körperreaktionen zu erkennen. Das ist ein gutes Mittel um sich selbst aus einer Angstattacke oder totalen Verwirrung, oder aus dem Gefühl dass einem alles entgleitet etc. herauszuholen. Der Körper erzählt einem was gerade los ist, sofern man es versteht auf ihn zu hören. Der Körper betrügt einen nicht, die Reaktionen sind direkt. Von der anderen Seite her kann man den Körper auch nicht betrügen. Mit den Gedanken ist das was anderes. Die laufen in anderen Bahnen und lassen sich steuern. Daher kommt es dass man sich oft im Kreis dreht und immer um den Kern des Problems herumläuft. Man will das Problem nicht sehen und die Gedanken gehorchen dem Willen. Wenn man bei sich selbst etwas herausfinden will, dann ist das Nachdenken darüber nicht immer und nicht unbedingt das Mittel der Wahl.

Als Beispiel sitzt man in einer Runde und meint dass man sich wohl fühlt. Aber man wird unruhig, kann nicht ruhig auf dem Stuhl sitzen bleiben, meint plötzlich dass schlechte Luft im Raum ist und möchte am liebsten die Fenster aufreißen. Das alles sind Zeichen dafür dass man sich eben nicht ganz wohl fühlt. Irgendetwas ist los. Mit einem selbst, vielleicht reagiert man auf eine andere Person mit Abneigung, vielleicht stinkt einem der Raum im wahrsten Sinne des Wortes. Vom Verstand her ist alles in Ordnung, man sitzt in einer netten Runde zusammen, aber der Körper sagt: „Halt, hier stimmt was nicht“

Ich glaube als Kind ist man noch näher an seinen Körperwahrnehmungen. Später wird es einem aberzogen oder man trennt sich selbst von seinem Körpergefühl ab. Warum auch immer, die Wahrnehmung verschiebt sich viel zu sehr in Richtung Verstand, man läuft viel zu kopfbetont durch die Gegend und wundert sich dass man einige Dinge nicht erkennt. Der Kopf kann sich selbst was vor machen.

Vieles in unserer Erziehung ist ja ganz gezielt darauf aus, sich „beherrschen“ zu lernen, über die Körpersignale hinwegzusehen, sie sogar als schmutzig oder gefährlich anzusehen. Dabei ist es eher gefährlich für einen selbst diese Signale zu ignorieren. Sicher, man ist nicht mehr so bequem für die Umgebung, aber man sieht und spürt klarer und weder man selbst, noch die anderen können einem was vormachen.

Unsere Übungen zielen darauf ab, diese Signale wieder wahrnehmen zu lernen und dann auch wirklich Gefühlen zuzuordnen. So gibt der Körper sehr früh Alarm, wenn da wieder eine Angstattacke kommt oder wenn man wieder in Gefahr ist aus dem hier und jetzt wegzudriften und sich in Vergangenheit oder Zukunft zu träumen.
Ich komme da gerade drauf, weil ich heute an mehreren Stellen solche Signale wahrgenommen habe. Dies hier aufzuschreiben soll mich an dieser Wahrnehmung halten und mich aus einer beginnenden Angstattacke holen. Es hilft darüber zu schreiben. Mein Körpersignal ist das Gefühl nicht mehr tief genug durchatmen zu können. Ich nehme es seit etwa einer Stunde wahr. Es ist mir klar dass das mit Angst zu tun hat, ich weiß aber nicht warum. Eigentlich, vom Kopf her, meine ich dass es mir gut geht. Was da los ist weiß ich nicht, ich registriere aber meine Angstreaktion und damit verliert sie ihre Hinterhältigkeit.
Eine sehr positive Veränderung merke ich bezüglich meines Sättigungs- und Hungergefühls. Ich kann mittlerweile sehr genau erkennen wann ich Hunger habe und wann ich satt bin.
Gerade habe ich mir eine Leckerei gegönnt, mein selbstgebackenes Roggen/Weizenmischbrot mit Körnern, dick bestrichen mit Vivani-Nuss-Nougat-Creme…..lecker!!
Ich weiß genau dass ich nach einer Scheibe Brot ein paar Minuten Essspause machen muss, das Sättigungsgefühl kommt etwas später. Erst dann entscheide ich ob ich weiter essen will oder nicht. Ich weiß genau wie es sich anfühlt satt zu sein. Das ist nicht selbstverständlich, ich habe es erst wieder lernen müssen. Ich habe mich ja jahrelang von meinen Körperwahrnehmungen abgetrennt und dazu gehörte eben auch das Sättigungsgefühl. Hunger habe ich im übrigen auch nicht wahrgenommen.

Erst seit einiger Zeit lerne ich das wieder zu erkennen. Ich merke auch was mir bekommt und was nicht. Das ist völlig unabhängig vom Geschmack und unabhängig davon ob ich jetzt etwas gerne essen würde oder nicht. Für normalgewichtige Personen ist das wohl völlig normal, sie haben den Kontakt zu der Körperwahrnehmung behalten. Für mich ist das ein Triumph, ein Rätsel hat sich gelöst. Ich komme auch nicht mehr so oft in Versuchung mich zu überessen. Da ich weiß wie sich das Sattsein anfühlt, weiß ich den Zeitpunkt ab dem ich mir nicht mehr gut tue. Ja, wenn es was besonders Leckeres gibt, dann setze ich mich bis zu einem gewissen Mass darüber hinweg, das ist dann eine bewusste Entscheidung die in Ordnung ist.

So, und nun kam ein leichter tiefer Atemzug, ich glaube da hat sich was gelöst. Es ist schon seltsam, früher dachte ich immer ich bin krank und habe im Leben nicht an Angst gedacht. Doch ist es genau das. Später, wenn ich durch dieses Gefühl durch bin, dann kann ich mal beginnen zu überlegen was das ausgelöst haben könnte. Ich finde das ist schon ein riesen Fortschritt, ich bin diesem Angstgefühl nicht mehr ausgeliefert und auch nicht mehr meiner Fresslust. Genau dieses Unbehagen hätte ich früher zugegessen.

Von zwei Seiten her musste ich dies Problem angehen. Erst mal musste ich das vernünftige Essen lernen. Auch wenn es dem widersprach was ich vorher meinte verstanden zu haben, oder eben meinen Gelüsten widersprach, habe ich mich an die paar simplen Regeln gehalten. Regelmäßig essen, keine Mahlzeit ausfallen lassen, gesund und abwechsungsreich essen, in der Kalorienbilanz bleiben. Der gute Erfolg gab mir den Glauben an die Richtigkeit der Regeln. Von der anderen Seite her war eben genau diese Körperübung notwendig.
Das beides spiel wirklich bestens zusammen und ich würde jedem der abnehmen will diese Kombination empfehlen. Alles was sich um Essen und Sport und Energiebilanz und Motivation dreht, bei Aiqum (ja, ich bin nach wie vor total überzeugt davon, wobei ich nicht sagen will dass das nicht auch andere Programme leisten können) zu lernen und vor allem zu üben, und auf der anderen Seite einen Kurs mit Körperarbeit, sei es nun Shiatsu, Bioenergetik, Psychodrama etc.

So, nun geht es mir besser und ich habe endlich mal zusammengefasst was mich so begeistert an diesem Kombipack!!

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