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Abnehmen und Tipps – erfolgreich abnehmen

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bald bin ich bereit für die 80 Kilo Grenze – ich schwelge in Erinnerungen

Ich merke so langsam bei mir, dass ich bald bereit bin für die nächste Stufe beim Abnehmen.

Noch möchte ich nicht wieder voll einsteigen mit dem Listen führen etc, das will ich nach wie vor erst im nächsten Jahr machen.

Aber ich merke dass ich innerlich so langsam bereit für den nächsten Schritt bin. Ich merke es deutlich daran dass mir immer mehr Sachen aus der Zeit einfallen, als ich so zwischen 75 und 80 Kilo gewogen habe, als ich mich schon total fett fühlte und 80 war die Horrorgrenze. Gut dass ich damals noch nicht geahnt habe dass ich mal über 130 Kilo wiegen würde.

Also als ich zwischen 75 und 80 Kilo wog, hatte ich gerade meine wilde Zeit. Schule war Mist, mit den Eltern lief alles schief, irgendwie ging alles den Bach ‚runter, aber doch habe ich mich aktiv und wohl gefühlt. Ich war nächtelang unterwegs, nachdem ich 18 geworden war dann ja sowieso. Vorher hatte ich viel Freiraum weil meine Mutter oft wochenlang unterwegs war und ich alleine zuhause war. Es war also nichts Ungewöhnliches nachts kilometerweit zum Hyde Park und wieder zurück zu laufen oder Rad zu fahren, wenn das Trampen erfolglos war. Ich war auch bei Schnee und Eis unterwegs, mitten durch ein kleines Wäldchen und dunkle Industriegebiete. Ich hatte zu der Zeit vor nichts Angst. Nachts eben zum nächsten Baggersee zu laufen war im Sommer auch üblich. Mein damaliger Freund hatte zwar schon ein Auto, aber ich wollte eben auch etliche Nächte mit Freundinnen verbringen oder solo unterwegs sein. Hach es war schon toll. Die Wohnsituation war zwar eigentlich übel, aber für meine Zwecke ganz praktisch. Wir lebten damals im neunten Stock eines Hochhauses in einem Ort etwas außerhalb von Osnabrück. Die Siedlung war übel, aber mein Zimmerfenster ging zum Außengang heraus, so dass ich durchs Fenster kommen und gehen konnte wie ich wollte, ohne dass es meine Mutter mitbekommen hätte. Sogar Besuch kam durchs Fenster, dann war es nur ein Problem mit der Toilette, das hätte meine Mutter schon gehört wenn plötzlich diverse Leute zum Klo trampeln. Nachdem ich den Jungmännern verboten hatte über die Reling zu pinkeln, mussten eben alle die neun Stockwerke herunter um sich ein Plätzchen zu suchen, das ging dann aber auch ganz gut und war immer wieder Anlass für viel Gelächter oder für eine kurze Fahrt mit dem Mofa zur nächsten Tanke die nachts offen hatte, um Nachschub zu holen.
Mein Zimmer bestand eigentlich nur aus einer Matratzenlandschaft, vielen Decken und Kissen, einem kleinen Tisch, vielen Bücherregalen und die Wände waren mit Postern vollgehängt, wie das eben so ist in dem Alter. Manchmal durchzog der Duft inspirierender Kräuter das Zimmer, es kam immer drauf an wer gerade da war. Die Stones hingen neben einem Poster der Tut Ench Amon Ausstellung in Hamburg, in der wir mit der Schule waren, so war das eben. Und eben auch ein Poster mit Deep Purple. Und genau die Platte, die ich damals immer und immer wieder hintereinander abgespielt habe, die aber leider so verkratzt war dass ich sie auf meinem jetzigen Plattenspieler nicht mehr spielen mag, habe ich als CD am Samstag bei Tauschticket entdeckt und sofort angefordert. Heute ist sie gekommen und läuft und läuft und läuft. Es ist die „Fireball“ von Deep Purple. Dort ist mein absolutes Suchtstück von damals drauf und es tut immer noch seine Wirkung…es läuft gerade wieder…“Demons’s Eye“ heißt es.

Tja und heute habe ich mich dabei ertappt dass ich mich auch so angezogen habe wie damals, so ähnlich jedenfalls. Es waren Ende der Siebziger einfach die angesagten Freak-Klamotten, sozusagen die Untergrundmode. Heute sagt man Leggins, damals waren es meist schwarze Gymnastikhosen. Im Winter mit dicken Wollsocken, natürlich selbstgestrickten, und Boots, ich hatte Camel-Boots, die hielten ewig. Drüber trug man ein altes Herrenhemd aus dem Second-Hand, natürlich selbst gefärbt und dann diverse Schichten an wärmenden Textilien. Die zweitletzte Schicht bestand meist aus einem selbst gestrickten Wollpulli der bis zu den Knien ging, heute in den Strickheften wird so etwas als Strickmini bezeichnet, ist aber im Grunde das Gleiche. Und über dem Pulli kam ein Parka, natürlich mit dem schwarz gemalten gelben Streifen in der Flagge am Ärmel und dem obligatorischen eingekreisten A im roten Streifen. Ich hatte auch im Second Hand eine alte Lederjacke entdeckt und trug die über den anderen Schichten. Dazu kam dann noch ein bodenlanger Schal oder ein sogenanntes Arafat-Tuch.

Das war unsere Kluft und wir fühlten uns unverwundbar wenn wir so los zogen.

Heute habe ich immerhin eine schwarze Strumpfhose, dazu Wollsocken und immerhin Birkenstocks an. Drüber trage ich eine lange schwarze Bluse die auch aus dieser Zeit kommen könnte und einen kurzen selbstgestrickten Pulli. Da habe ich es wieder und irgendwie kommt dieses Lebensgefühl auch wieder. Mit allen Höhen und Tiefen. Die Tiefen habe ich hoffentlich bald bearbeitet und kann dann die Höhen genießen. Und vielleicht schaffe ich es ja alleine schon in die entsprechende Gewichtsklasse zu kommen. Das gute Lebensgefühl von damals aber aus den damaligen Fehlern gelernt, das ist doch ideal. Wenn ich irgendwas als meinen Stil bezeichne, dann ist das eine so ähnliche Kleidung. Bequem und bunt und flippig. Ich habe mich nur leider jahrelang versteckt mit normalen Klamotten und manchmal dachte ich auch ich müsse mich „meinem Alter gemäß“ kleiden. Was für ein Blödsinn!

Ja, das Abnehmen kann ein Abenteuer sein, eine Reise in die eigene Vergangenheit und ein riesiges Aufräumen.

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