Gehe zu: Hauptmenü | Abschnittsmenü | Beitrag

Abnehmen und Tipps – erfolgreich abnehmen

persönliche Tagebücher und Tipps über das Abnehmen

Kategorien

Archiv

Login

Abonnieren

Back to top


Alkohol und Essen – Befreiung

An diesem Wochenende habe ich eine für mich entscheidende Schwelle übertreten, ich habe wieder ein halbes Glas Wein getrunken. Das Ganze war sehr bewusst und geplant und gewollt, ich habe es in meinem Therapie-Abschlussgespräch mit meiner Therapeutin durchgesprochen und sie meinte dass das eine Erfahrung wert sei und dass ich meinen eigenen Weg finden soll mit dem Alkohol um zu gehen.

Vor etwa fünf Jahren war mir klar dass es mit meinem Alkoholkonsum so nicht weiter gehen kann. Ich erkannte für mich dass ich abhängig bin und setzte alles daran mich davon zu befreien. Als erstes hörte ich mit dem Trinken auf, von einem Tag auf den anderen. Seelisch ging es mir sehr schlecht, ich war verletzlich und voller Angst und Panik, aber körperlich habe ich absolut nichts gemerkt. Körperlich war ich nicht abhängig, meine Leberwerte waren auch noch nicht erhöht. Wie ich heute weiß war es eine tiefsitzende psychische Abhängigkeit und ein Missbrauch des Alkohols, den ich schon seit meinem 14 Lebensjahr recht regelmäßig, und unregelmäßig noch früher, begonnen hatte.

Ich habe den Alkohol missbraucht um aus dem Leben zu flüchten. Vor fünf Jahren dachte ich dass das Trinken mein Grundproblem war, aber im Laufe der Therapie bin ich dahinter gekommen dass es nur eins von vielen Symptomen war, eher eine weitere Schicht um das eigentliche Problem herum. Mir wurde dann auch klar dass ich mit dem Essen ganz genauso umgegangen bin wie mit dem Alkohol. Ich habe das Essen missbraucht um mir einen Schutzwall gegen diese Welt anzuzüchten und ich habe immer gegessen wenn ich nicht wusste wohin mit meinen Gefühlen. Weder mit Wut, noch mit Angst oder auch nicht mit Glück und Freude konnte ich umgehen. Immer griff ich zum Alkohol und/oder zum Essen. Wenn mir Wärme fehlte griff ich zur Flasche, wenn mir Sicherheit fehlte griff ich zum Essen. Es gab tausend Rituale, ich könnte eine lange Liste von Gefühlen machen und die dazugehörigen Gerichte und Getränke aufschreiben, so fest habe ich das in mir drin verknüpft.

Als ich dann fast fünf Jahre absolut trocken war, als ich merkte wie leicht es mir im Grunde gefallen war nicht mehr zu trinken, kamen mir immer mehr Gedanken daran, dass nicht der Alkohol mein Hauptproblem war und dass ich den lebenslangen Abstinenzgedanken weder schlimm noch beruhigend fand. Nach der Therapie habe ich auch keine Selbsthilfegruppe aufgesucht, mir war nicht danach und während der Therapie bin ich darin bestärkt worden in mich hinein zu lauschen und auf mich zu hören.

Dann habe ich mich darüber gewundert das ich plötzlich mit dem Abnehmen anfangen konnte. Vorher war es mir nicht möglich, ich musste wohl erst mal den Alkohol loswerden, diese Schicht lösen, dem Grundproblem näher kommen. Mit dem Essen umgehen zu lernen hat mich weit mehr gekostet als mit dem Trinken aufzuhören. Auch das hat mir zu denken gegeben. Nun gut, seit 1 1/2 Jahren lerne ich Tag für Tag dazu und lerne mich und meine Muster dem Essen gegenüber immer besser zu durchschauen.

Ich merke dass mein Stoffwechsel wieder gesünder geworden ist, meine Blutwerte sind vorbildlich, wie mir meine Ärztin bestätigt, ich bin wesentlich gesünder als vor dem Abnehmen. Ich kann inzwischen wesentlich mehr essen und dabei doch noch weiter abnehmen, ich kann jetzt auch besser einschätzen wie viel ich noch essen kann ohne wieder in die positive Bilanz zu rutschen, sprich ohne wieder ins Zunehmen zu kommen.

Mir wurde klar dass ich mit dem Alkohol und mit dem Essen irgendwie gleich umgegangen bin. Ich habe beides als Droge missbraucht. Mit dem Alkohol kann man ganz aufhören, mit dem Essen nicht. Also musste ich nun den schweren Weg gehen und den Umgang mit dem Essen neu lernen, die Droge war immer gegenwärtig, ich habe immer Essen im Haus. Irgendwann merkte ich dass es mein Kopf ist, der aus dem Essen eine Droge macht und dass ich so langsam den Schalter lokalisieren kann, den ich dann umlege. Jetzt kann ich genau diesen Schalter vermeiden. Das Essen hat seinen Schrecken verloren, ich hasse mich nicht mehr dafür dass ich esse und das ist das Zeichen dass ich meine Angst vor dem Essen verloren habe.

Seit einiger Zeit lasse ich für bestimmte Zeiten mal bewusst die Zügel locker, sozusagen um mich frei zu schwimmen und um zu lernen auf mich zu hören, unabhängig von Nährwerttabellen und Diagrammen. Zu Beginn meiner Zeit bei Aiqum hatte ich noch große Angst davor, ich konnte mir nicht vorstellen wie es ohne die Sicherheit der Kalorienkontrolle gehen kann. Ich hatte noch Angst vor dem Essen. Die habe ich nun fast überhaupt nicht mehr. In dem Maße in dem ich meine Angst verlor, lernte ich den Genuss kennen. Das war berauschend und befreiend.

Jetzt ist das Essen für mich das was Essen sein sollte, es bereitet mir Freude und keine Angst, keine Selbstvorwürfe, keine Verzweiflung.

Tja und mit dem Alkohol ist es inzwischen genau so geworden. Ich habe meine Angst davor verloren. Er ist nicht mehr mein Feind. Ich habe dieses halbe Glas Wein genossen, ich mag den Geschmack wirklich. Genau wie ich mir beim Essen gut überlege ob sich die Kalorienaufnahme für den Genuss lohnt, überlege ich beim Wein ob die Qualität so gut ist, dass ich es in Kauf nehme bis an die Grenze zur Alkoholwirkung zu trinken. Die Wirkung setzt nach dieser langen Abstinenzzeit schon nach spätestens einem halben Glas ein. Ich mag das Gefühl nicht mehr also höre ich dann auf. Aber der Genuss muss so groß sein, dass sich das lohnt für mich.

Ich gehe mit dem Alkohol inzwischen so ähnlich um wie mit der Schokolade. Ich achte auf beste Qualität und es ist immer etwas Besonderes, es gehört nie zum normalen Alltag.

Es gibt dann noch das ritualisierte Essen. Bei einer Familienfeier esse ich das Festessen mit. Klar genieße ich es, aber das ist nicht der einzige Maßstab. Ich esse mit anderen zusammen, das ist ein Ritual. Mit dem Trinken gibt es das auch, zu unseren religiösen Festen trinke ich inzwischen auch wieder ein paar Schluck Met, das gehört dazu und ist in diesem Rahmen ein Ritual.

Auf das ritualisierte Essen und Trinken möchte ich nicht verzichten und auf den Genuss auch nicht. Ich halte mich inzwischen für stark genug auf mich auf zu passen und zu unterscheiden wo Essen oder Alkohol wieder zu einer Droge zu werden drohen.

Ich fühle mich befreit, ich kann selbst bestimmen wie mein Weg ist. Ich bin mir meiner selbst bewusst und esse und trinke bewusst.

Das ist das allerbeste was ich in den letzen Jahren gelernt habe. In der Therapie mehr die Theorie, bei Aiqum dann die Praxis.

Da es sein kann dass meine Therapeutin hier manchmal mit liest, möchte ich mich noch einmal dafür bedanken dass sie mir ihr Vertrauen schenkten und mir Mut machten mir selbst das gleiche Geschenk zu machen, nämlich mir selbst zu vertrauen auch wenn meine Wege nicht die üblichen sind.

14 Kommentare zu “Alkohol und Essen – Befreiung”

  1. Zasco schreibt:

    Hallo Renate,

    alle Hochachtung für Deinen Weg, Deinen Erfolg, Deine Offenheit, Deinen Schreibstil. Es ist ganz toll, was Du erreicht hast. Alle guten Wünsche von mir begleiten Dich.

    Liebe Grüße von Rosele

  2. Karin schreibt:

    Liebe Renate, was für ein gewaltiger Schritt. Ich finde wundervoll was du dir alles erarbeitet hast, und an Tagen wie heute wo der Figurtest mal nicht so prickelnd ausgefallen ist, hilft es mir enorm weiter zumachen. Danke Dafür.
    Liebe Grüße
    Karin

  3. sneezy schreibt:

    HI Renate, ich muss dir mal ein ganz großes Lob ausprechen! das was du geschafft hast und für dich immer wieder einen neuen Schritt gehst finde ich beachtenswert! mach weiter so! MIr macht es auch Mut Ziele zu verfolgen weil man irgendwann den Sinn versteht und glücklich darüber ist!

    LG Anna

  4. trebelia schreibt:

    Liebe Renate,

    herzlichen Glückwunsch zu Deinem Erfolg!!! Besonders dein Sieg über den Alkohol hat mich sehr beeindruckt, mehr noch als Deine Abnahme. Ich weiß, wie schwer es ist, diese Sucht zu bekämpfen, und Du wirst mir ein großes Vorbild sein.
    Liebe Grüße bis später – trebelia

  5. Requendel schreibt:

    Hey Trebelia,
    danke:-). Bei mir war es anders herum, mir fiel es schwerer eine normalere Einstellung zum Essen zu finden, ich hing wohl zum Glück noch nicht ganz so tief drin, im Alkohol. Wie auch immer, ich wünsche Dir alles Gute
    lg
    Renate

  6. Martin schreibt:

    Also ich muss dir sagen das ich auch eine Therapie mache und Zwar schon seit 2 Jahren ich bin zwar erst 18 habe aber soch viel durchgemacht und ich finde es absollut nicht gut das du geplant einen wein gegönnt hast. das ist der anfang wieder richtig reinzusteigen also rate ich dir davon ab. musst das ja nicht machen was ich dir hier schreibe aber überlege mal. ich hatte zwar keine alkohol sucht oder so aber dafür war ich stark heroin und Koks abhännig. also denk mal nach. und ich bin jetzt auch schon seit 2 jahren davon ganz weg warum also lässt du es nicht auch eifach ganz??? mit ganz lieben grüßen

    Martin Schneiders

  7. Requendel schreibt:

    Hallo Martin,
    danke dass Du Dir Gedanken machst, aber ich denke jeder Mensch ist etwas anders gestrickt. Ich lebe nun seit einiger Zeit gut und angstfrei damit(oder meist vergesse ich ganz dass ich dass Alk ja kein Tabu mehr ist und trinken auch nichts) Dieser Entschluss fiel nicht vom Himmel sondern kam nach sorgfältiger therapeutischer Begleitung.
    Für mich stimmt es so, denn meine eigentliche Sucht war das Essen. Ich glaube ich habe die Alk-Therapie gebraucht um einen Einstieg zu den eigentlichen Dingen zu kriegen.
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und ich kann auch gut nachvollziehen dass Dich mein Artikel entsetzt hat. Das wäre mir vor zwei Jahren auch noch so gegangen aber man lernt dazu und macht andere Erfahrungen.
    lg
    Renate

  8. karlheinz schreibt:

    wenn jemand alkohol krank ist wie ich auch,dann gibt es
    nur 2 möglichkeiten,entweder saufe ich mich zu tode oder
    genieße mein restliches leben mit all den schönen dingen
    die noch vor mir liegen.ich genieße mein leben!!!!!!!!

  9. karlheinz schreibt:

    es ist nicht schlimm alkoholiker zu sein,aber schlimm
    nichts dagegen zu tun.

  10. Requendel schreibt:

    Ich weiß und ich weiß auch dass viele Wege nach Rom führen. Und ich weiß inzwischen noch viel besser den Unterschied zwischen einer Alkoholkrankheit und dem Alkoholmissbrauch.
    lg
    Renate

  11. Tom - Abnehmen.de schreibt:

    Aiqum ist wirklich sehr zu empfehlen, dies können wir an dieser Stelle nur nochmals betonen. Zudem der Hinweis, dass Abnehmen in der Regel nur klappt, wenn der Alkoholkonsum stark eingeschränkt wird und nicht täglich zur Regel wird.

  12. Bernd schreibt:

    Liebe Renate,
    mich würde mal Interessieren wie das mit dem halben Glas Wein weitergegangen ist. Hast Du immer noch ab und zu das Bedürfnis einen Wein zu trinken? Oder kannst Du Heute, Februar 2009, im Rückblick berichten wie jetzt Deine Einstellung zum Alkohol einzustufen ist?

    Mit neugirigem Gruß Bernd

  13. Requendel schreibt:

    Aber gerne Bernd.
    Das mit dem halben Glas Wein ist einfach so weiter gegangen. Ich trinke nun gerne mal auch ein ganzes Glas Wein oder Kilkenny oder Sekt. Immer nur absolut gute Qualität. Wenn ich die nicht finde, dann trinke ich eben Saft oder Tee oder Wasser. Das ist ein riesen Unterschied zu früher.
    Meine Einstellung zum Alkohol ist lockerer geworden aber gleichzeitig auf anderer Ebene strenger. Ich weiß nicht ob ich das richtig erklären kann. Ich trinke sehr bewußt und mit Genuß, ich mache mir aber keine Sorgen, wenn ich was trinken will. Wenn das da ist was ich gerade will, dann trinke ich es auch ohne blödes Gefühl.
    Das kann man eine Woche lang täglich sein, das kann man ein paar Monate überhaupt nicht sein, kommt immer ganz drauf an und ist mir eigentlich auch egal.
    Aber gleichzeitig bin ich sehr wachsam und kontrolliere streng meine Motivation zum Trinken. Ganz ähnlich wie ich das mit Schokolade mache.

    Im Moment sind mein Mann und ich in der Krise, ich lasse mich scheiden und noch wohnen wir zusammen. Die Stimmung hier ist mies und das gemeinsame Leben ist der pure Stress und das Bedürfnis nach einem Glas Wein zum Entspannen ist groß. Ich gebe ihm in Maßen nach, genau wie mit der Schokolade.

    In Abständen spreche ich noch mal mit meiner Therapeutin darüber, die nun gerade in der Suchtberatung tätig ist, und lasse von ihr überprüfen wie mein Verhältnis zum Alk ist. Ich muß immer aufpassen weil ich dazu neige das Essen und den Alkohol zu missbrauchen, wenn ich sonst nicht mit meinen Gefühlen klar komme.Das wird mir mein Leben lang bleiben und ich muß einfach lernen damit klar zu kommen.

    Aber Alkoholikerin bin ich nicht, das ist klar geworden, da würde ich andere Symptome zeigen.

    lg
    Renate

  14. jack 717 schreibt:

    liebe renate! ich fand deinen bericht wirklich wahnsinnig motivierend! könntest du mir bitte erklären wie du es auf die reihe gebracht hast in den schlimmsten momenten vor dem essen abstinent zu bleiben?? ich habe seit dem ich 14 bin ( momentan 19 ) depressionen und auch schon ein paar sachen durch! mit alkohol kann ich jetzt nach langer zeit umgehen aber wegen dem essen ist das so ein problem. so wie du sagtest, sobald ich einsam oder unglücklich bin, dass leider der hauptzustand ist, kämpfe ich jeden tag mit mir und dem essen! wie bist du es mit dem essen angegangen? ich habe mir schon öfters überlegt ob es so ist wie bei einer drogensucht oder etc. dass wenn mich der heißhunger überkommt ich dagegen ankämpfen muss! oder nicht? das schlimme am essen ist ja dass man im vergleich zu sämtlichen anderen suchtmitteln, es benötigt! alkohol braucht man nicht um zu überleben, aber bei dem essen ist das was anderes, da kann ich ja nicht einfach sagen ich esse nie mehr sondern muss jeden tag essen! im grunde hat man ja die flasche bier dauernd vor einem stehen ; )wäre schön wenn du mir vielleicht ein paar tipps geben könntest! recht herzlichen dank

Kommentar schreiben