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Abnehmen und Tipps – erfolgreich abnehmen

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Abnehmen und Diät versus Armut und Hunger

Gerade habe ich die Homepage jener wundervollen und beispielhaften Aktion gelesen:


und mir dabei meine Gedanken über Abnehmen und Hunger gemacht.

Es ist schon merkwürdig dass Leute wie wir Probleme damit haben kontrolliert und nicht zuviel zu essen, während es anderen einfach an irgendeinem Essen mangelt.

Wenn ich so durch die Lebensmittelgeschäfte gehe und mir das Angebot ansehe, dann fällt mir immer wieder auf wie billig (und nicht preiswert) so viele Dinge sind. Diese ganzen fertigen Nudelgerichte zum Beispiel, die verlockend wenig Arbeit machen, billig scheinen und so massenhaft verkauft werden. Jeder Discounter hat so seine Spezialtütchen. Wer nun wirklich täglich mit ein paar Euro auskommen muss, wer sich überlegt wie er sich so wenig Geld am besten über die Runden bringt, wer vor allem auch nicht immer eine Gelegenheit zur Vorratshaltung hat, greift dann gerne zu solchen Fertigprodukten, gaukelt es ihm doch vor eine vollständige Mahlzeit zu essen. Gut, Nudeln sind enthalten, ein Soßenpulver und vielleicht eine Kräutermischung. Viel Kohlenhydrate und viel Fett, das macht satt. Keine bis kaum Vitamine und andere wichtige Nährstoffe. Das ist keine vollständige Mahlzeit, davon kann man nicht auf Dauer leben.

Ganze Familien sind in die Armut geraten und Tag für Tag stellt sich dann die Frage wie man die Familie mit den paar Euro, die man zur Verfügung hat, satt bekommen soll.

Es bedarf einiger Umstellung und Überlegung um mit wenig Geld gesund zu essen. Ich kann da etwas aus eigener Erfahrung reden. Ich habe einige Zeit unter der Armutsgrenze gelebt, die Gründe tun hier nichts zur Sache, und war mal einen Sommer lang nichtsesshaft. Ich hatte Glück dass mir das im Sommer passierte. Ich weiß nicht ob ich den Winter überstanden hätte. Ich hätte zwar immer zurück zu meiner Mutter ziehen können aber der Preis war mir zu hoch. Wie gesagt, im Winter hätte ich das vielleicht getan.

Ich weiß also wie das ist wenn man irgendwo her zwei Mark geschenkt bekommt (damals war es eben noch Mark) und sich dann überlegt was man am besten damit anfängt. Als ich noch die Wohnung hatte, war ich zum Glück oft genug vernünftig dass ich mir einen Beutel Kartoffeln gekauft habe und vielleicht noch einen Beutel Zwiebeln und etwas gekörnte Brühe. Ich kannte die Läden in denen ich Zutaten für einen Linseneintopf für 3,40 Mark kriegen konnte und von dem ich zwei Tage lang dreimal täglich essen konnte.

Oft genug hatte ich aber auch nur einen Beutel Billigstnudeln, einen Becher Billigstmargarine und eine Flasche Billigwein mitgebracht. Nicht sehr gesund.

Wenn es dann ganz arg kam dann habe ich oft das Essen zu Gunsten des Weins sausen lassen. Zuerst noch alleine in der Wohnung, aber schon oft genug ohne Strom und Telefon.

Und in dieser Zeit habe ich wirklich die meisten Kilos zugenommen. Ich war bitterbettelarm und ich wurde dicker. Ich weiß noch dass ich irgendwann mal fast handgreiflich geworden wäre als ein netter Mensch mir riet doch einfach mal bewusst eine Fastenwoche einzulegen, dann würde ich kein Geld brauchen und gleichzeitig abnehmen!!

Diese Zeit ist überwunden, dank lieber Freunde und dank meines sicheren Wissens dass das hier nicht alles war was ich vom Leben wollte.

Geblieben ist mir ein kaputter Stoffwechsel, ein ernsthaftes Alkoholproblem, jede Menge verloren gegangener Illusionen, wunderbare Freunde und der Stolz darauf dass es mir gelungen ist mich aus dem Sumpf wieder hervor zu arbeiten.

Ein Jahr lang arbeitete ich als Praktikantin in einer Wärmestube für Nichtsesshafte. Dort lernte ich das Problem von einer anderen Seite her kennen. Ich redete mit den Menschen und bekam mit dass es grob gesagt zwei Sorten gab. Die einen waren die klassischen Nichtsesshaften, die man Tippelbruder, Stadtstreicher, Berber etc tituliert. Die haben anscheinend mit diesem System gebrochen, die wollen nur noch überleben und schaffen es nicht mehr von alleine eine Wohnung zu halten, selbst wenn es ihnen finanziell möglich wäre. Das Leben auf der Straße ist normal geworden, dort kennen sie sich aus. Sie haben bestimmt Fähigkeiten entwickelt auf der Straße zu überleben, Schlafplätze zu finden, an Essen heran zu kommen. Es hat sich ein regelrechtes Netzwerk gebildet in welcher Stadt es gute Einrichtungen gibt und wo es sich gut überleben lässt. Die Wärmestube war ein Nachrichten Sammelpunkt dafür. Oft kamen die Leute zu Fuß aus anderen Städten, wollten erst mal duschen, bekamen frische Klamotten und etwas zu essen war auch immer da. Dabei erzählten sie die aktuellsten Nachrichten von der Straße. Bescheid zu wissen war überlebenswichtig. Für mich tat sich da ein ganz anderes Deutschland auf als ich es mir je habe träumen lassen.

Die zweite Gruppe bestand aus jüngeren Nichtsesshaften, oft jünger als ich es war. Sie waren durch irgend ein Ereignis aus der Bahn geworfen worden. Meist war es eine Scheidung und der Verlust der Arbeit. Bevor sie sich besinnen konnten standen sie schon auf der Straße, der Alkohol kam dazu und die Rolltreppe ging abwärts. Sie gewöhnten sich an das Leben auf der Straße und verlernten ganz wie es ist eine Wohnung zu halten mit allen Einbindungen und Verpflichtungen. Teilweise habe sie sogar Geschmack daran gefunden durch die Gegend zu ziehen. Alle waren sich sicher dass sie wieder ausbrechen könnten, wenn sie es nur wollten. Aber je länger sie auf der Straße waren, desto schwieriger ist es geworden. Wieder spielte der Alkohol eine Hauptrolle dabei.

Ich habe in der Küche gearbeitet, habe täglich zwei Mahlzeiten zubereitet und Tüten zum Mitnehmen gepackt und ausgegeben. Ich habe die Spenden eingesammelt und für die nächsten Tage die Mahlzeiten geplant. Meist waren es Tütensuppen und Eintöpfe und Brot mit Wurst oder Käse, am Freitag gab es keinen Aufschnitt, da gab es Ei und Fischdosen, es war eine katholische Einrichtung und hatte ihre Räume in einem Franziskanerkloster.

Oft war es schwer und ging manchmal über meine Kraft, wenn sich doch die Leute betrunken eingefunden hatten und anfingen Randale zu machen. Ich weiß nicht mehr wie oft ich schon übel beschimpft und bedroht wurde wenn ich die Leute nicht in die Küche oder in die Kleiderkammer gelassen haben, sondern die Sachen ausgegeben habe. Die „Stammgäste“ der Wärmestube standen aber meist hinter mir, und das ganz wörtlich.

Und von diesen Nichtsesshaften, die ich dort kennengelernt habe und deren Geschichten ich mir angehört habe, waren die meisten übergewichtig. Alkohol und zu kohlenhydratreiche Ernährung war wohl die Ursache. Ich bin damals zu dem Schluss gekommen dass Armut dick macht und dass die Tatsache, dass heutzutage das Übergewicht immer mehr Menschen betrifft, vielleicht auch damit zusammen hängen könnte dass es in diesem Land immer mehr Menschen gibt die unter der Armutsgrenze leben müssen.

Das alles fiel mir ein, als ich über den „Lauf gegen die Kälte“ las. Und zudem gibt es bei den Konzerten an den Stationen  noch extrem gute Musik, die man dort zu hören bekommt.

4 Kommentare zu “Abnehmen und Diät versus Armut und Hunger”

  1. Karin schreibt:

    Danke Renate das du auf Heinz Aktion hinweist. 🙂 Ich habe es überall nur nicht hier gepostet. Wir gehen am nächsten Dienstag zum Auftaktkonzert in die Räucherei in Kiel.
    Viktor und ich kennen Heinz ja schon einige Zeit und bewundern die Sachen die er macht sehr. Er ist einer der Künstler die es schaffen Sozialkritik ohne erhobenen Zeigefinger zu üben und darüber hinaus sind selber etwas zu tun und das obwohl es ihm nicht immer gut geht. Denn er war bereits 3 x an Krebs erkrankt. Ich freue mich auf das Konzert am Dienstag. Habe dem guten ein paar Socken gestrickt und sie nach guter Hexensitte mit Schutz- und Erfolgszaubern versehen.
    LG Karin

  2. Sianna schreibt:

    Hallo Renate,

    ja, da sprichst Du ein interessantes Thema an. Diese Gedanken gingen mir auch schon durch den Kopf und man sieht/hört es auch öfter in Reportagen, daß viele Leute am Existenzminimum eben übergewichtig sind. Die Ernährung spielt eindeutig eine große Rolle und es ist bestimmt nicht einfach, sich in einer solchen Situation wirklich bewußt zu ernähren. Oder gerade auch die Leute auf der Straße, die ja kaum eine Möglichkeit haben, gesunde Mahlzeiten zuzubereiten.
    Allerdings „spukt“ auch gerade der Gedanke durch meinen Kopf, daß die Fettschicht auch eine gute Schutzschicht sein könnte, das sogenannte „dicke Fell“ vielleicht?

    Wie gesagt: sehr interessantes Thema!

    LG
    Sianna

  3. Requendel schreibt:

    hey Sianna, ja, das mit dem dicken Fell kommt dazu. Aber ich denke das ist unabhängig vom Einkommen. Gründe sich ein dickes Fell anzufressen gibt es in allen Schichten.
    Es gibt ja so viele Faktoren, die zum Übergewicht führen.
    lg
    Renate

  4. Sportlich sozial engagiert - Lauf gegen die Kälte - Heinz Ratz « geschrieben, hier, reinhören, Projekt, Kiel, Stadt, Gestern, Wasser « abnehmen BLOG - Menschen die erfolgreich abnehmen schreibt:

    […] für Obdachlose fließt. Ein wirklich bewundernswertes Projekt. Renate hatte bereits dazu geschrieben.  Auch einige namhafte Künstler unterstützen diesen Marathon. Gerburg Jahnke, Anne Haigis, […]

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