aus meinem Tagebuch

Ich habe eine Weile überlegt ob ich das veröffentlichen will, aber es zeigt so schön wie elend ich mich gefühlt habe als ich dick war und in was für einem inneren Sumpf ich mich fühlte, dass ich es wichtig finde selbst noch einmal hinzugucken. Es zeigt mir was ich alles verändert habe bei mir und es zeigt mir dass ich mich aus diesem Sumpf herausgezogen habe. Es gehörte einiges an Vorarbeit dazu bis ich wirklich zum Abnehmen bereit war und ich bin viele Irrwege gegangen bis ich den für mich einzig richtigen Weg gefunden habe.

Vielleicht erkennt sich der eine oder andere ja wieder.

Also, ich schreibe einfach mal einige Passagen ab:

Tagebuch einer fettsüchtigen total aufgeblähten, hässlichen alten Kuh, der nichts mehr passt und die kreuzunglücklich ist nach so vielen vergeblichen Abnehmversuchen.

Ich will abnehmen!

Ich muß!!!

Mon, 1.August 1983, 13:38 Uhr

blödes Wetter, heißer Sturm puhhh!

Schon wieder viel zuviel gegessen und zuwenig getan. Gestern wurde der Hyde Park geschlossen und es gab Krawalle. Ich war zwei Nächte dabei. Gestern haben Ton Steine Scherben gespielt und Schröder. Das hat mich aufgemischt und zum Weinen gebracht. Es war anstrengend und aufreibend. Erst früh morgens lag ich im Bett und konnte nicht schlafen weil ich noch so aufgeregt war. So einen Einsatz habe ich noch nie mitbekommen und die sind mit Hunden hinter den Leuten hergehetzt, die durch die Schrebergärten flüchten wollten. Uns hat zum Glück ein Taxifahrer durch die Sperre gefahren, die haben die Leute die ‚raus wollten umsonst gefahren.

ich fühle mich müde – 3 Scheiben Weißbrot, zwei mit Butter und dick SChmierkäse und 1 Scheibe mit Butter und Marmelade + 2 Gläser Milch + (etwas später) 1 Schale eingezuckerte Johannisbeeren+ 1 Pfirsich + 1 Tasse Milch. Ich habe schon wieder Hunger und mir ist übel. Hoffentlich zwingt die Hungerbestie mich nicht mehr in die Knie. Ich fühle mich fett und aufgequollen und depimiert und ohne Willen und schlapp und müde – und hungrig. Ich weiß genau, daß essen mich unmittelbar befriedigen kann, aber danach ist alles nur noch schlimmer. Ich fühle mich dann seelisch als Versagerin auf allen Gebieten. Das Gefühl nimmt mir jeden Mut dagegen anzugehen. Ich will versuchen den Hunger als etwas schönes zu empfinden. Ich bewundere meine ehemals magersüchtige Freundin xy. ich möchte das schaffen wie sie. Ich möchte mich auf so vielen Gebieten ändern. Ich möchte stärker werden. Mein Bauch drückt mich, wie er sich so in Speckrollen legt beim Bücken oder auch nur beim Vorbeugen am Schreibtisch. Alles drückt mich und zwängt mich ein. Selbst die weitesten Kleider sind hässlich. Ein Gesicht wie ein Schwein. Augen in Fettwülste eingebettet. Ich hasse meinen schwachen Willen. Am Sonntag Abend, dem 7.8. werde ich mich das erste Mal wiegen. Vorher traue ich mich nicht. Ich habe Angst vor der Waage. Die Anzeigennadel ist das messbare Zeichen meiner Niederlage. Ich habe keinen Mut das zu sehen. Essen ist eine Droge.

(Ende des Zitats)

Wenn ich das lese werde ich im Nach hinnein traurig und bekomme Mitleid mit der unglücklichen jungen Frau, die ich damals war. Und ich bin froh und dankbar darüber dass ich dies überwunden habe.

Es wird deutlich dass es zu dem Dick sein noch viele andere Probleme gab, ich fühlte mich nicht anerkannt, als Versagerin, erfolglos und so weiter.

Hier zeigt sich schon der Weg den ich dann gegangen bin. Ich musste ein Problem nach dem anderen angehen und bis ich dann wirklich soweit war dass ich mich dem Abnehmen widmen konnte vergingen noch viele viele Jahre. Heute bin ich froh darüber dass ich mich so viel Zeit gelassen habe wie ich eben brauchte, denn jetzt bin ich absolut bereit zum Abnehmen, jetzt kann ich jeden Schritt genießen und mich an jedem Kilo freuen. Jetzt nehme ich gesund und mit Lust ab und nicht hungernd und verzweifelt.

3 thoughts on “aus meinem Tagebuch

  1. Liebe Renate, das ist echt erschütternd. Kann gut nachempfinden wie es in dir aussah. Wie du weißt kommt bei mir ja zur Zeit auch so einiges aus der Jugendzeit nach oben, und mittlerweile hadere ich nicht mehr damit so unglücklich gewesen zu sein. Im Moment denke ich oft, dass es wundervoll ist so wachsen zu dürfen. Wir wären nicht die die wir heute sind ohne diese Erfahrungen. Aber wir haben schon einen hohen Preis dafür gezahlt.

  2. Ja Karin, der Preis war sehr hoch und manchmal denke ich dass er zu hoch war. Aber wir werden sehen, noch ist alles im Wandel und bekommen habe ich schon sehr viel.
    Das ist ja auch das eigentlich anstrengende am Abnehmen. Diese ganzen Dinge die da wieder zum Vorschein kommen.
    Aber gut dass ich diese Tagebücher noch habe, so kann ich meinen Weg genau verfolgen und letzten Endes hinter mir lassen.
    lg
    Renate

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