Selbstverantwortlichkeit und Abnehmen – nächtliche Selbsterkenntnis

Im Moment bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mein Leben neu sortieren muß und gerade jetzt habe ich mein Abnehmen lange Zeit sehr locker gesehen und ich habe mich recht häuft gehen lassen.

So langsam merke ich dass sich alte Muster wieder eingeschlichen haben, die ich längt vergessen glaubte. Es geht nicht so sehr um die Muster, die direkt ums Essen gehen, sonders allgemeine Verhaltensmuster, ein Umgehen mit mir selbst.

Ich erkenne Dinge wieder, die eine Zeitlang mein Leben bestimmt haben und es ging mir sehr mies damit. Es war ein Herausstehlen aus der Realität und damit ein Abgeben der Eigenverantwortlichkeit an andere, an das Schicksal etc.

Es war eine Zeit in der ich nicht wusste wie ich selbst aktiv werden kann und dass ich das Recht und die Pflicht habe mich um mich selbst zu kümmern. Das war therapiebedürftig und wurde auch behandelt.

Heute nacht blinkte plötzlich bei mir ein Warnlämpchen im Kopf, ich hatte plötzlich ähnliche Gefühle wie damals. Nicht auf mein allgemeines Leben bezogen, sondern speziell aufs Essen. Ich habe diese Umbruchzeit, diese Zeit voller Kummer, voller Rückenschmerzen, voller Angst und Hoffnung, voller neuer Baustellen und voller Gefühle, als Ausrede benutz.

In dem speziellen Bereich „Gesundheit und Abnehmen“, habe ich mich in das alte Muster geflüchte. Es schien so bequem und ach je, ich hatte doch so viel anderes zu tun. Auch hier in diesem Blog habe ich das noch vertreten. Heute nacht habe ich gemerkt dass die Falle schon fast wieder zugeschnappt wäre.

Ein Thread im Aiqum Forum hat mich wach gerüttelt, deswegen ist es so wichtig im Austausch mit Menschen zu bleiben, die um das Gleiche kämpfen, nämlich um mehr Gesundheit und ein gesünderes Gewicht. Hier noch ein Ratgeber Gesundheit.

Ich habe anscheinend in der letzen Zeit langsam und schleichend, immer mehr Verantwortlichkeit für meine Figur und für mein Wohlbefinden an „die Umstände“ abgegeben. Ich habe Ausreden gesucht und gefunden und diese harte Umbruchzeit dazu missbrauch mich gehen zu lassen.

Ich habe das Essen missbraucht, wie eine Schmerztablette. Im ersten Moment hilft es sogar, aber sobald die Wirkung der Tablette oder der Schokolade nachlässt, braucht man neue. Und im Hintergrund wird der Schmerz immer heftiger und die Ursache für den Schmerz immer stärker. Dadurch dass ich mich mit Essen betäubt habe, habe ich auch keine Notwendigkeit mehr gesehen was gegen die Ursache zu tun.

Die Ursache war nicht das Essen, nicht die Krise in der ich stecke, sondern meine Sehnsucht nach einem bequemen Leben, meine Sehnsucht nach dem Schlemmerparadis der Couch-Potatoes. Meine Sehnsucht danach nicht dauernd aufzupassen sondern die Kontrolle und die Verantwortung abzugeben.

Jetzt habe ich es begriffen und jetzt werde ich den Schalter im Hirn wieder umdrehen.  Mit der aktuellen Krise umzugehen gelingt mir nur wenn ich das Grundprinzip im Kopf behalte. Verantwortlich für mich bin ich nur selbst.

Und dazu gehört natürlich auch das entsprechende Handeln. Wenn ich mir ein Trösterchen nach dem anderen genehmige, heißt das das ich keine Verantwortung mehr will. Aber das geht nicht nur partiell, das wirkt sich auf mein gesamtes Leben aus. Ich kann  das nicht nur auf das Essen beschränken, es ist eine Lebenseinstellung. Es betrifft alles und letzenendes eben auch die Art und Weise, wie ich die Krise bewältigen kann. Das Essen kann ich nicht ausklinken und als Sonderfall behandeln. Wenn ich mich beim Essen gehen lasse, dann tue ich das automatisch auch in anderen Bereichen.  Das ist die eigentliche Gefahr dabei. Wenn ich so weiter machen würde, dann würde es nicht lange dauern und ich würde wieder im alten Sumpf landen.

Puh, ich denke ich bin gerade noch herumgekommen, auch wenn ich jahrelang schon dabei bin und viel gelernt habe, kommt es doch vor dass ich mich völlig verrenne. Das ist gerade geschehen und jetzt geht es mir besser, denn ich weiß woher mein bis dahin diffuses Unbehagen kam. Jetzt weiß ich wie ich dagegen angehen kann.

Und ja, jetzt habe ich es auch veröffentlicht. Ich will hier ja nicht nur von Erfolgen berichten, sondern auch von Rückfällen und tiefen Krisen…und vor allem will ich darüber schreiben was ich gelernt habe und wie ich wieder aus diesen Krisen heraus finde.

Mir fallen gerade einige Sprachregeln ein aus einer Therapie, dich ich früher mal gemacht habe.  Man muß gut darüber nachdenken, einiges kommt einem vielleicht abstrus vor, aber wenn man sie anwendet merkt man die Wirkung sofort. Die Sprache ist deutlich, man merkt sofort wenn man sich verstecken will, wenn man sich ein Hintertürchen offen halten will, wenn man nicht ganz und gar zu dem stehen mag was man sagt.

Hier zwei dieser Regeln: (keine Ahnung wer da eventuell Copyright drauf hat, bitte weist mich darauf hin wenn jemand was findet. Ich habe mir damals die Regeln ohne Quellenangabe aufgeschrieben)

Übungen zur Übernahme von Verantwortlichkeit:

Jedes „Sollen, Können, Dürfen, Müssen, etc“ wird zu „wollen“

Beispiel:

„Sollen wir schwimmen gehen?“ heißt übersetzt „Ich will jetzt schwimmen  gehen. Willst Du das auch?“

„ich muß jetzt Hausarbeiten machen“ heißt übersetzt „ich will jeztzt Hausarbeiten machen, auch wenn es mir keinen Spaß macht und lästig und anstrengend ist.“

Der Unterschied wird, besonders im zweiten Beispiel, deutlich, es ist eine Entscheidung jetzt das Lästige zu erledigen. Damit liegt die Entscheidung bei einem selbst. Natürlich kann man auch Nein sagen und sich dazu entscheiden jetzt nichts zu tun. Aber es ist dann eine eigene Entscheidung und die eigene Verantwortlichkeit. Keine Umstände zwingen einen dazu. Um bestimmte Ziele zu erreichen,  sind manchmal Dinge notwendig die keinen Spaß machen und sogar hart und quälend sein können.   Will man die Dinge nicht tun und erreicht sein Ziel deswegen nicht, dann liegt es bei einem selbst und es wäre vielleicht gut ein neues und für einen machbares Ziel zu definieren. Aber man hat sich selbst dafür oder dagegen entschieden.

Mir geht es mit dem Abnehmen so. Früher habe ich alles und jeden für mein Dicksein verantwortlich gemacht, ich hatte immer tausend Gründe warum ich dieses und jenes nicht machen konnte. Sich einfach zu sagen dass man das nicht machen wollte weil es einem zu schwer erschien oder zu hart oder man sich nicht zugetraut hat das zu machen oder weil man Angst hatte, war erst ganz extrem schmerzhaft. Schmerzhaft deswegen weil man sich dann automatisch dafür verurteilt hat.

Aber hat man es begriffen und vor allem begriffen dass man sich bitte nicht für Dinge einmacht die gewesen sind weil es durchaus in Ordnung ist mal Fehler zu machen und sich zu irren, dann wird es zu einer Erleichterung weil man sein Leben wirklich selbst in der Hand hat.

Wenn ich mich mal wieder auf mein Ergometer quäle, dann sage ich mir dass ich das mache weil ich abnehmen will und nicht weil ich muß. Das Ganze hat einen anderen Klang und es schwingen andere Energien mit. Ich brauche meine Energie nicht mehr um mit dem Schicksal zu hadern, sondern kann sie dafür nehmen meinen Hintern auf den Sattel zu hieven und loszulegen.

Jedes „Es, Das, Man, etc“ wird zum „Ich“

Beispiel:

„Stört es dich nicht wenn es um 23 Uhr bei dir klingelt?“ heißt übersetzt „Störe ich dich nicht wenn ich um 23 Uhr bei dir klingel?

Wenn die Frage bestätigt wird, ist es zwar schade, aber betrifft einen nicht persönlich…“Es“ stört diesen Menschen ganz allgemein wenn „es“ bei ihm klingelt. Bei der Überseztung ist es schon anders. Da störe ich  und das kann schmerzhaft sein.

„Lass‘ das bleiben das tut man nicht“ heißt übersetzt “ Höre auf xyz zu machen weil ich nicht will dass du xyz tust“ Und schon kann man sich nicht mehr in der schönen diffusen „ich bin in der grauen Masse und ich falle nicht auf weil ich auch grau bin“-Ecke  zurückziehn, sondern hat öffentlich gemacht dass man einen Willen hat und eigene Werte und Bedürfnisse hat.

Ja doch, es wird Zeit mir das alles wieder mal bewußt zu machen und auch wieder fürs Abnehmen anzuwenden.

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