Ich sorge für mich

Heute bin ich wieder etwas nachdenklich und grabe in Erinnerungen, aber das ist gut weil ich so feststelle dass ich gut weitergekommen bin und nicht auf der Stelle trete.

In der letzen Woche habe ich mich beim Essen eher an der unteren Kaloriengrenze gehalten, selten waren es mehr als 1400 Kalorien. Heute gehe ich an die 1900 Kalorien und habe das Gefühl dass ich den ganzen Tag nur esse. Ich habe mir die Kalorien auf viele kleine Snacks aufgeteilt und ich genieße das Gefühl immer gut gesättigt zu sein und dabei zu wissen dass es alles Dinge sind die mir gut tun.

Ich fühle mich gut versorgt und gerade ist mir bewusst geworden dass ich selbst mich gut versorge. Ich kümmere mich um mich selbst, ich sorge dafür dass die Snacks fertig sind wenn ich sie essen will, ich gehe oft in die Küche um mir was zuzubereiten. Ich habe vorher Gedanken darauf verwendet was ich essen will damit es mir gut gehen wird, ich habe dafür eingekauft und überlegt welche der Mahlzeiten ich mit meinem Mann zusammen essen will.

Bewegung hatte ich heute weil wir spazieren waren und ich mein Aiqum-Krafttraining gemacht habe.

Im Moment habe ich etwas das Gefühl als wäre ich mein eigenes Kind, bzw als wäre ich meine eigene Mutter. Ich sorge für mich selbst wie es eine Mutter tun würde.

Solange ich zurückdenken kann habe ich gelernt zu sorgen, aber nie für mich, das war immer nur Pflichterfüllug wie Zähneputzen, Haare waschen etc. Alles was über die Grundhygienesachen hinausging war in meinen Augen nicht in Ordnung, stand mir nicht zu. Es gab doch so viele Menschen in meiner Umgebung für die ich sorgen musste, wie ich dachte. Meine Mutter, meine Freundinnen, Leute in Not, meinen Mann und auch meine Ex-Freunde, ich fand immer Grund für andere zu sorgen und mich selbst dabei zu vergessen. Irgendwann wusste ich nicht mehr wie es wirklich ging, was dazu nötig ist für mich zu sorgen. Ich wusste nicht mehr was ich selbst brauchte.

Meine Reaktion war darauf mich völlig zu vernachlässigen. Ich meine nicht dass ich mir nicht gutes Sachen gegönnt habe, aber ich habe nie darauf geachtet ob sie mir auch wirklich gut tun oder nicht. So habe ich oft einfach über die Stränge geschlagen und gemeint dass es das ist, das für mich sorgen. Aber es kippte in die andere Richtung um. Mangel oder  Überfluss, schwarz oder weiß die Waage gab es nicht für mich. Und wenn ich alleine war und ich die Zeit für mich hatte die ich sonst dafür verwendet hatte für andere zu sorgen, sie zu pflegen, mich darum zu kümmern dass sie regelmäßig gesundes Essen bekamen, dass sie frische und gebügelte Klamotten hatten, dass sie ihre Termine einhielten etc, hatte ich erst mal zu überhaupt nichts mehr Lust und bin nicht auf die Idee gekommen die Energie für meine Pflege zu verwenden.

Ich habe mich komplett gehen lassen hatte keine Lust zu garnichts schon gar nicht zum Kochen. Was ich mir in diesen Zeiten angetan habe ist wirklich bodenlos. Es waren schnell zuzubereitende fette Sachen, oft Fertigsachen. Ein weiches Hamburgerbrötchen dick mit Hamburgersoße beschmiert, darauf eine ganze Scheibe Leberkäse aus dem Kühlregal, ein paar Scheiben von einer sauren Gurke und viele Röstzwiebeln dazu, oder ohne Gurke und Zwiebeln, dafür mich ein paar Scheiben Tomaten und Scheibletten überbacken. Davon habe ich oft zwei Teile gegessen, kurz danach wieder was Schnelles und dann eine Tafel Schokolade…..wie habe ich das überlebt?

Sich zu pflegen macht nicht immer Spaß, tut aber gut. Aber das habe ich irgendwie verwechselt und habe nur Dinge gemacht die mir Spaß machten, wobei ich auch nicht immer wusste ob das jetzt so richtig war.

Heute habe ich gemerkt dass ich ein richtig wohliges Gefühl habe. Ich habe mich gefragt woher das kommt und habe dann gemerkt dass ich mich einfach wohl versorgt und behütet fühle. Es ist mir klar geworden dass ich heute für mein körperliches und auch für mein seelisches Wohl sorge und dass ich mir den Raum dafür nehme, dass er mir sogar selbstverständlich geworden ist.

Wenn ich an meine Gelüste von früher denke kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln.

In den Wochen bevor mein Mann weggefahren ist hatte ich noch einen kleinen Rückfall in alte Muster, ich habe meine Pflege vernachlässigt, ich habe nur stur den Plan eingehalten aber das ist nicht das Gleiche wie sich richtig gut und liebevoll um sich selbst zu kümmern.

Das heißt eben nicht dass mir alles nur Spaß macht. Zu den Kraftübungen hatte ich eigentlich keine Lust und die vielen Sachen zubereiten ist auch manchmal lästig. Aber die Mühe bin ich mir wert.

Dieses Behagen das ich gerade empfinde, das kann ich mir selbst geben, ich kann mir selbst eine Mutter sein.

4 thoughts on “Ich sorge für mich

  1. Du sprichst da ein Thema an, dass ich in meinen Beratungen und auch bei mir immer wieder einmal entdecke. Sich selbst eine Mutter sein! Weg von dem nur sorgen für andere, hin zu dem ich sorge gut für mich.

  2. hope 76

    Hi liebe Renate,

    bin erst jetzt dazu gekommen etwas nachzulesen…

    Man es ist einfach toll das zu lesen und … du hast so Recht und kannst echt stolz sein, das du an diesem Punkt gelandet bist und die Kurve gut genommen hast und jetzt rückblickend einfach merkst was du alles „verpaßt“ hast – auch die Geschichte mit dem gestrickten Pullover ist einfach super schön.

    Wenn ich da an mich denke:
    Ich mache 110% meine Arbeit / 100% bin ich Mutter und Ehefrau, Köchin und Putzfrau, Freundin, Ja-Sager … etc. / aber was bin ich zu mir selbst – ich akzeptier mich vielleicht zu 50% (je nach Tageslaune 🙂 manchmal etwas mehr) und das fällt schwer aber dank Aiqum und auch deiner und Karins Beiträge ist es einfach so, das ich mir immer mehr Gedanken mache, ich kann nicht die ganze Zeit zu 100% funktionieren, ohne das ich mich dabei „vernachlässige“ … ihr regt mich immer wieder an darüber nachzudenken und vielleicht gelingt es mir ja – immer wieder ein Stück mehr – so das ich auch mal an die 100% herankomme, denn das sollte ich mir wert sein…

    Vielen Dank für Eure Beiträge, ihr seit echt nicht mit Geld aufzuwiegen 😉 (und da ihr eh immer weniger werdet, lohnt sich das nicht mehr wirklich)

    LG hope 76

  3. Hallo liebe Hope 76,

    ach wie mich Dein Kommentar freut. Wenn man solche Reaktionen bekommt dann macht es noch viel mehr Spaß zu schreiben und es ist schön zu merken dass man andere Leute erreichen kann.
    lg
    Renate

  4. hope 76

    das tust du auf alle Fälle! Vielleicht noch viel mehr, aber es ist leider immernoch so das sich viele nicht trauen … das schön am Internet ist die „Anonymität“ man kann alles von sich Preis geben und ist dennoch – wie soll ich es ausdrücken – geschützt (abgesehen von den Viren 🙂 ne ich meine so von Angesicht zu Angesicht ist es noch was anderes, man gibt sehr viel von sich und dann kommt vielleicht eine Enttäuschung …

    … und so hat man selbst die Möglichkeit es zu steuern … und ich merke wie gut mir das tut, hier kann ich ich selbst sein und auch mal ohne schlechtes Gewissen nicht 100%ig funktionieren … also du wirst mich so leicht nicht wieder los 🙂

    Schönen Abend noch
    Ciao

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