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Gewicht verlieren – wie verändert sich das äußere Bild

In der AIQUM Community läuft gerade ein Thread zum Thema Dehnungsstreifen, der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Ich weiß ich habe schon mal über das Thema Selbstreflektion und Aussehen geschrieben, aber ich möchte das Thema noch mal aufgreifen.

Wie jede/r Abnehmende hatte ich natürlich eine Erinnerung an schlanke Zeiten, auch wenn die irre weit weg war. Aber das Bild war da.  Mein letztes stammt aus der Zeit nach Jenni´s Geburt. Da habe ich so 75 kg gewogen und mich wohl gefühlt. Meine liebe Familie lag mir aber permanent in den Ohren „du bist zu fett“ „du warst mal so schön schlank“ „nimm bloß ab“ und so weiter. Das alles in einer Situation in der mein Leben einfach aus allen Fugen ging. Ich hatte gerade ein Kind unter sehr schwierigen Bedingungen bekommen, hatte keine Wohnung mehr, da der Vermieter die Bude unter Wasser gesetzt hatte und musste mit meiner Tochter zu meinen Eltern. Zu einer postnatalen Depression, dann noch das Genöle: Geh arbeiten! Was bist du eigentlich für eine schlechte Mutter! Dir kann man kein Kind überlassen, dass verkommt ja! (Anlass war, dass ich mich geweigert habe nur zu hause zu sitzen, sondern meine Tochter mit genommen habe) Fazit war: Ich fing an zu trinken und ich fing an Frust zu fressen. Also wurde das Genöle lauter und ich zog aus. Das ging noch weniger gut, aber das ist jetzt nicht das Thema. Auf diesem Bild bin ich kurz nach Jenni´s Geburt und das war das Gewicht mit dem ich mich wohl gefühlt habe.

Karin mit 75 kg copyright Karin Braun

Als ich nun mit meinen 160 kg  begann abzunehmen, habe ich mich gezwungen mir die alten Bilder von mir anzusehen. Das hatte ich Jahrelang nicht, weil ich es nicht ertragen konnte, mich schlank zu sehen. Besser gesagt mir bewusst zu werden, wie fett ich geworden war. Aber als ich begann abzunehmen, hatte ich unbewusst das Bild im Kopf, ohne zu bedenken das ich ja mittlerweile 23 Jahre älter war. Als dann die ersten Kilos fielen und ich sah wie meine Haut Falten kriegte und die Dehnungsstreifen sich breit machten, kriegte ich eine leichte Krise und das war auch der Punkt wo mein Gewicht erst einmal stagnierte. Ich bin sonst nicht eitel, aber das hatte was erschreckendes und ich musste mein Selbstbild und meine Imagination von mir als schlanke Frau erst einmal den neuen Gegebenheiten angleichen. War nicht so einfach.

Interessant war aber auch, dass mein Gewicht nun so um 1 -2 kg schwankte, ich aber nicht mehr richtig kräftig zunahm. Dann kam eine Zeit in der ich sehr glücklich und sorglos war und da wurde es etwas mehr. Aber da habe ich denn auch gleich die Bremse gezogen und weitergemacht. Als ich dann auf 125 kg runter war, kam der nächste Punkt wo ich nicht loslassen konnte. Da war es mein Hals und meine Gesichtshaut die mich irritierte. Ich hatte auf einmal das Problem das ich jedes Mal wenn ich in den Spiegel sah in das Gesicht meiner Mutter (die ich nicht leiden konnte) schaute.

Jetzt bin ich über diese Grenze rüber und stehe vor der nächsten. Die 119 kg! Im Moment trennen mich noch so rund 3 kg von diesem Gewicht und das Abnehmen geht langsam. Aber ich bin da sehr bewusst. Im Moment bin ich nicht bereit zu schnell zu viel los zu lassen. Da kommen so viele Erinnerungen, Kränkungen und alte Verwundungen hoch die ich erst einmal bearbeiten muss und das braucht Zeit. Ich habe bei der 125 kg Grenze gesagt: Erst mal ist nur wichtig nicht mehr zu zu nehmen. Das hat geklappt und wie ich mich wieder wohl gefühlt habe, konnte ich weiter machen. Wenn ich die 119 kg erreicht habe, werde ich erst einmal durchatmen und sehen, wie ich mich dann fühle. Wenn es ok ist, mache ich gleich weiter, wenn nicht, dann dauert es eben alles ein wenig länger.

Früher dachte ich immer, wenn du den Punkt gefunden hast abzunehmen, dann ist alles gut. Dann isst du normal, bist den ganzen Tag fröhlich und irgendwann bist du schlank und siehst wieder aus wie auf dem Foto. Hmm, dass wird wohl nicht ganz so sein. Ich denke mein Körper wird immer diese Zeichen tragen. Langsam kann ich sie auch besser ertragen. Ich weiß aber auch eines, alles was noch an alten Verletzungen und Wunden in meinem Fett versteckt ist und nun zu Tage kommt, will angesehen und bearbeitet werden. Das mache ich mir immer wieder bewusst und ich habe keine Angst mehr davor, denn ich weiß, jede Verletzung und jede Kränkung und jede Angst mit der ich mich bewusst auseinander setze und sie gehen lasse, nimmt Gewicht mit und irgendwann bleibe ich übrig. Die schlanke Karin, die vielleicht nicht mehr so glatt und straff ist wie vor 24 Jahren, aber die gesund, beweglich und fröhlich ist und sich mag. Die Karin war nämlich auch in meinem Fett die ganze Zeit da und die mochte ich sehr. Ich mochte nur nicht was ich ihr mit dem Übergewicht angetan hatte.

2 Kommentare zu “Gewicht verlieren – wie verändert sich das äußere Bild”

  1. Requendel schreibt:

    Hi Karin,
    erst jetzt komme ich dazu diesen tollen Artikel mal gründlich zu lesen. Jedes Wort kann ich bestätigen, genau so läuft das mit dem Abnehmen. Irgendwie ist es besser als ich dachte, das Wohlgefühl steigt und ich hatte nicht bedacht wie sehr das mein Selbstwert steigert. Das Gefühl etwas ganz alleine für mich zu tun und für mich anzustrengen und das Ergebnis zu sehen, das ist klasse. Andererseits ist es schwerer und härter als ich gedacht hatte. Das was da an Erinnerungen aus dem Speck herauspurzelt ist nicht von schlechten Eltern und will bearbeitet werden. ICh mache auch die Erfahrung dass es stufenweise geht. Es kommen immer wieder Punkte an denen es nicht mehr weiter geht und dann heißt es innehalten und sehen dass die Seele nachkommt.
    So eine Grenze habe ich ja auch seit gerauner Zeit. Mals sehen wie es weitergeht.
    Das Wichtigste ist Zeit und Ruhe und Behutsamkeit. Nichts erzwingen, nichts mit Gewalt und immer schauen ob es einem noch gut geht dabei.
    lg
    Renate

  2. Karin schreibt:

    Hallo Renate, ich bin einmal über diese Grenze gegangen und versucht es zu erzwingen, die geforderte Ruhepause zu ignorieren und das ist sowas von schiefgegangen. Alles Liebe Karin

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