Erinnerungen an destruktives Verhalten

Vorhin ist mir etwas aufgefallen. Mein Exmann hat mich heute morgen in die Arbeitsloseninitiative gefahren und meinte im Gespräch mit einer Freundin: Karin macht sich ja immer einen Mitternachtssnack! Und ich korrigierte ihn, dass ich das schon seit ca. 4 Jahren nicht mehr mache. Wie ich das sagte fiel mir auf, dass ich diese Gewohnheit losgelassen habe, ohne das ich es eigentlich bemerkt habe.

Diesen Mitternachtssnacks verdanke ich ganz sicher einige Kilos meines Übergewichtes. Früher war es immer so, dass mich den ganzen Tag Leute nervten, Kinder, Ehemänner und ähnliches Gelichter, dass ich erst den Abend für mich hatte. Dann lag ich vor dem Fernseher und zog mir rein was immer gerade lief. (Damals hätte ich mir nie vorstellen können ohne Fernsehen zu sein, heute gucke ich nur temporär und seit Mittwoch haben wir gar keinen mehr) Und wenn es denn so gen 00:00 Uhr ging, habe ich Hunger gekriegt. Da habe ich mir denn überbackene Käsetoast, Pizza oder Spaghetti reingezogen. Oder mir noch mal schnell 500 g Käse gewürfelt und die mit salzigen Kräckern gegessen. Übrigens ist ab 00:00 so die Zeit gewesen in der die Werbung verstärkt Snacks, Süßigkeiten und Sex zeigte. Sex wollte ich in der Ehe zu dem Zeitpunkt nicht mehr haben, daher habe ich mich natürlich an die Sweeties und Snacks gehalten. Heute ist eine Nascherei 1/2 Tafel Schokolade oder eine Handvoll Gummibärchen. Damals war die Abendration: 1 Tüte Erdnussflips, 1 Tafel Schokolade, 2 Tüten Haribo und dann natürlich noch  der Mitternachtssnack. Ach ja, damals habe ich auch nicht Wasser oder Tee getrunken, sondern Limonade oder unverdünnten Saft. Booah, hat sich da was geändert.

Seit ich aus der damaligen Ehe raus bin habe ich das nicht mehr gemacht. Das war ja auch die Zeit in der ich begann abzunehmen. Sicher lag das nicht nur am Wegfallen des Mitternachtssnacks, sondern auch daran das ich mich mehr bewegte und regelmäßiger aß.

Wie Charlie das heute sagte wurden mir 2. Sachen bewußt. 1. Wie traurig ich damals immer war, weil ich mit allem alleine stand und ich keinerlei Unterstützung in der Partnerschaft hatte. Das ich eigentlich damals nicht einmal eine Partnerschaft hatte, sondern nur einen Mitbewohner der erwartete das ich für alles sorge. Da war das Essen mein einziger, scheinbarer, Trost. Bis ich 160 kg wog und merkte wie destruktiv das war, und das ich was ändern musste. Was ich dann ja auch tat.

2. fiel mir auf, dass mein Exmann überhaupt nicht auf die Idee kommt, dass sich bei mir irgendwas geändert hat. Das ich vielleicht einige Angewohnheiten von früher nicht mehr habe. Das hat mich wütend gemacht, denn es hat mich an etwas erinnert das passiert ist, kurz nachdem ich aus der ehelichen Wohnung ausgezogen war. Damals war ich so 3 Monate in der wilden 13 und meine beiden Exmänner luden mich zum Kaffeetrinken ein. Da drucksten sie denn rum und kamen nicht rüber was los ist. Ich habe denn gefragt was sie wollten und da meinte denn Nr. 1. Wir machen uns Sorgen um dich: Du hast so abgenommen. Bist dauernd unterwegs und siehst so gut aus. Stimmt was nicht? Damals bin ich explodiert und habe nur gesagt: Sorgen um mich, weil ich dünner werde und besser aussehe? Sorgen um euch meint ihr, weil ich mich verändere und nicht mehr dauernd für euch da bin. So wird ein Schuh draus.

Heute hat mich das irgendwie an die Sache erinnert und das hat mich so traurig gemacht. Weil es eigentlich ähnlich ist wie mit meinen Eltern. Die wollten, wollen, mich ja auch nicht sehen wie ich jetzt bin, sondern haben immer noch die 14 jährige vor Augen.

Ich weiß auch nicht wie ich damit umgehen soll. Ich kann schließlich keinen zwingen mich so wahrzunehmen wie ich bin. Das einzige was ich tun kann ist nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen die mir schaden.

Übrigens habe ich da glaube ich auch einen Punkt gefunden, der mich hindert Gewicht loszulassen. Angst das keiner eine schlanke Karin will und es gibt schließlich einige Menschen die ich recht gern habe. Damit werde ich mich die nächste Zeit einmal auseinandersetzen.

Es ist gut, dass ich die Pause mache. Ich glaube sonst wäre ich immer wieder an eine Gewichtsgrenze gestoßen und wäre da nicht drüber gekommen. Jetzt weiß ich einen der Gründe die mich gehindert haben, oder noch hindern, diese Barriere zu überschreiten. Damit kann ich arbeiten.

KA-Rit

About Karin

Hobbys: Lesen, Schreiben, Fotografieren, Freunde, Sport, Kochen uvm.
Beruf u/o Berufung: Hexe und Künstlerin
Alter: 51
Familienstand: glücklich mit dem Liebsten, 1 Tochter, 1 Enkelin

3 thoughts on “Erinnerungen an destruktives Verhalten

  1. Hey Karin,
    lass‘ Dich mal knuddeln. Genau für diese Sachen ist die Pause gut. Die Seele muss nachkommen, so banal der Spruch klingen mag er stimmt.
    Wenn Deine alten Ängste auf dem Tisch liegen, dann kannst Du was dagegen setzen. Die Leute die Dich mögen weil Du Karin bist und nicht weil Du Dünn oder Dich bist.
    Es ist immer so bei Veränderungen. Ein Teil des Bekanntenkreises macht das nicht mit. Da ist Distanz angesagt.
    Und sag mal stimmt das echt so wörtlich??? Waren die beiden wirklich so dummdreist das auch noch auszusprechen? Puh durch was für kleine Gucklöcher die doch die Welt sehen. Die könnten einem glatt leid tun. Du bist weiter, Du bist weg, Du siehst Die Welt und Du kannst sie genießen mit allen Höhen und Tiefen. Also bist Du wirklich auf der besseren Seite.
    Hey, Du bist wirklich nicht abhängig von deren Akzeptanz. Es wäre zwar schön, aber es liegt wohl nicht in deren Natur. Ich meine Du hattest Deine Gründe Dich zu trennen. Warum sollten die sich ändern? Charly ist ganz o.k….auf Distanz. Lass‘ sie nicht mehr so nah an Dich heran. Nein zu sagen ist schwer aber lernbar und mit jedem Nein wirst Du stärker.
    Ach ja, mir ging es mit dem nächtlichen Essen ähnlich, nur kam da vielleicht nicht ganz so viel zusammen, dafür aber immer eine Flasche Wein.
    Ab und zu mache ich das immer noch, ganz einfach weil ich es genieße. Dann ist es aber eine Scheibe Knäcke mit etwas Harzer und Perlzwiebeln, oder so etwas Ähnliches. Und Tee anstelle von Wein. Und das Essen macht mir dann richtig Spaß, im Gegensatz zu früher.
    Also lasse Dir den Ärger weg pusten, ändern kannst Du die beiden eh nicht. Es lohnt sich also nicht. Freue Dich an den Veränderungen die Du geschafft hat.
    lg
    Renate

  2. […] wurde mir eine schlechte, alte Angewohnheit von mir in Erinnerung gerufen. Der Mitternachts-Snack! Früher sah mein Feierabend so aus: Streit mit meinem früheren Mann, bis er sich in sein Zimmer […]

  3. Danke Renate. Ja, die beiden haben das genau so ausgesprochen. Ich habe damals gedacht: Denen pflücke ich gleich die Ohren ab. Statt sich zu freuen das es mir besser geht, kommen die mit so einem Scheiß. Ich habe ja immer gesagt, ich hätte meine Exmänner nicht heiraten, sondern zur Adoption freigeben sollen. Die haben keine Frau sondern ein Muttertier gesucht. Alles Liebe Karin

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