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dick ist nicht gleich hässlich

Wie schon im letzten kurzen Eintrag geschrieben, krame ich gerade in alten Fotos, unter anderem auch aus der Kindheit und Jugend. Ich weiß noch genau wie hässlich und fett ich mich mit 15 gefühlt habe, doch das Foto zeigt mir was anderes. Jetzt, wenn ich mir die Fotos so betrachte, finde ich sogar dass ich hübsch war. Vielleicht etwas pummelig dass ich Jeans in der Größe 30-32 brauchte wo andere 28 trugen, aber bestimmt nicht hässlich.

Hier mit 15

Renate mit 15 als Rebellin      Renate mit 15

Und doch habe ich mich so gefühlt nur weil ich dick war, bzw dicker als meine Freundinnen. Und auch weil es schien dass meine Familie nur noch interessierte ob ich nun etwas dünner oder etwas dicker geworden bin. Anstelle einer Begrüßung bekam ich öfter die Frage zu hören: „Hast du zugenommen“ Manchmal auch „Hast du abgenommen?“. Was anderes schien keinen mehr zu interessieren. Das war bitter, das tat weh. So habe ich anscheinend gelernt mich selbst nur noch durch dicker oder dünner zu definieren.

Hier mit 16

Renate mit 16   Renate mit 16

Der Rest war nicht mehr wichtig und selbst ein hübsches Gesicht und ein süßes Lächeln ist nichts wert wenn ich zu dick bin. Und mit 15 Jahren hieß zu dick für mich so um die 72 Kilo, bei 175 cm Körpergröße. Also kein nenneswertes Übergewicht. Mit der nötigen Gelassenheit hätte das nicht in einer Diätkarriere und bei 130 Kilo enden müssen. Ich hätte das damals mal gebraucht dass mir jemand einfach so gesagt hätte dass ich hübsch wäre. Eigentlich wären die Eltern dazu gut gewesen, aber vor allem meine Mutter sah nur mein Übergewicht. Wenn sie mir was Gutes tun wollte sagte sie mir dass ich ein niedliches Gesicht hätte, trotz meines Specks. Es wäre eben nur etwas zu dick. Was sollte ich damit anfangen? Es hat mein Gefühl nur noch verstärkt dass nichts zählt wenn man zu dick ist.

Hier mit 17

Renate mit 17 auf dem Schiff  Renate mit 17 beim Trampen

Irgendwann hatte ich dieses Maßstab so gefressen, dass ich mich selbst nur noch mit dieser Schere im Kopf wahrgenommen habe und mich einfach immer abgrundtief hässlich fand. Irgendwann habe ich es dann auch hin bekommen dass ich tatsächlich hässlich war. Es gibt eine Phase in meinem Leben, da mochte ich mich wirklich nicht mehr ansehen ohne in Tränen auszubrechen.

Es scheint mir so beim Betrachten der Fotos und beim Nachdenken darüber, als hätte ich diese Werte meiner Familie als Auftrag genommen mich deren Sicht anzupassen und wirklich hässlich zu werden. Komisch was man dann so selbst noch mit sich veranstaltet, als ob es nicht reichen würde dass das andere getan haben. Aber wenn in der Jugend ein Programm falsch eingebaut wurde, dann wirkt das eben noch lange nach.

Heute ist das für mich eine Befreiung von mir selbst zu sagen dass ich damals hübsch war. Vielleicht tröstet das sogar noch im Nachhinein den traurigen verzweifelten Teenie, der irgendwo immer noch in mir steckt.

4 Kommentare zu “dick ist nicht gleich hässlich”

  1. Karin schreibt:

    Oh man, was tun Eltern und die Gesellschaft eigentlich Menschen an, wenn sie sie so auf angebliche „Mängel“ reduzieren und ihnen so das Gefühl geben ausgeschlossen zu sein. Das macht mich wütend.
    Ich finde es toll das du dich den Bildern deiner Vergangenheit gestellt hast. Aus Erfahrung weiß ich, dass das nicht einfach ist. Alles Liebe Karin

  2. Requendel schreibt:

    Hey Karin,
    ja so langsam klären sich die Dinge und ich kann einiges hinter mir lassen. Diese Fotoreise in die Vergangenheit stand mir schon lange bevor.
    Ich weiß noch gut wie Du dabei zu kämpfen hattest.
    lg
    Renate

  3. lilli schreibt:

    Hallo Requendel!
    Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich alles, was du schreibst nachvollziehen kann! Bei mir war es ähnlich, allerdings habe ich erst seit ungefähr einem Jahr bemerkt, wie mich meine Freunde und vor allem meine Familie mit ihren ständigen Bemerkungen negativ beeiflusst haben. Vor einem Jahr habe ich das Granatengewicht von 142 Kilo erreicht. Bei einer Körpergröße von 1,68 m, habe ich kaum noch durch normale Türen gepasst. Schon als Kind war ich nicht gerade schlank. Ich hatte sogar mal recht pummelige Phasen, aber seit ich 12 war, konnte ich mich selbst nur noch daran erinnern, fett gewesen zu sein. Ich habe mir nie Photos aus dieser Zeit angesehen, weil auch kaum welche von mir existieren. Aber durch eine Demenzerkrankung meiner Oma, kramen wir nun regelmäßig alte Bilder raus.
    Irgendwann dann waren wir bei meiner ältesten Schwester, die extrem schlank, sportlich und eine wahre Ernährungsexpertin ist. Sie, genau wie meine Mutter und meine andere Schwester haben mir seit meiner frühesten Kindheit in den Ohren gelegen, ich sei zu dick. Während meine Mutter es dabei mit elterlicher Authorität versucht hat, haben mich meine Schwestern aufgezogen. Und ich habe es geglaubt.
    Und dann viel mir an diesem Tag bei meiner Schwester ein Bild von mir in die Hände. Darauf war ich 14 Jahre alt und ich konnte nicht fassen, wie bildhübsch ich da war. Zu diesem Zeitpunkt wog ich 68 Kilo!! Ich würde aus heutiger Sicht „Idealgewicht“ dazu sagen! Damals waren wir im Urlaub und ich weiß noch, dass ich ab dem zweiten Tag nur noch in T-Shirt am Strand gelegen habe, weil mich meine Schwestern schon am ersten Tag mit meinen vermeindlichen Bauspeckrollen aufgezogen haben. Nach diesem Urlaub habe ich das erste Mal im Leben eine Diät gemacht. 1994 verstand man aber unter Diät nur eines: so gut wie nichts essen! Das hab ich getan und 10 Kilo abgenommen. D.h. danach muss ich richtig dünn gewesen sein! Aber ich kann mich daran nicht erinnern! Ich weiß nur noch, dass ich irgendwann wieder normal gegessen habe und natürlich ratz fatz zugenommen habe und zusätzlich zu den 10 Kilo, die ich ja abgenommen hatte, noch ein paar zur Erinnerung an die schöne Zeit dazu bekommen habe.
    Von da an ging es steil bergab. In den nächsten 5 Jahren hab ich 50 Kilo zugenommen. Mit jedem Diätversuch hab ich zu den Kilos die ich abgenommen habe, noch ein paar draufbekommen. Und wie bei dir war meine Familie keine große Hilfe, statt mit Ideen und Vorschlägen zu kommen, die wirklich umsetzbar sind, wurde ich schon mit: „Man, hast du schon wieder zugenommen?“ begrüßt. Gemerkt, dass ich mich das nur noch mehr fertig macht und ich eigentlich dringend Unterstützung brauchte, hat keiner. Bis zu diesem Tag bei meiner Schwester. Nachdem ich das Photo gesehen hatte und immer mehr Erinnerungen an diesen Urlaub hochkamen, bin ich in solche Wut über meine Familie ausgebrochen, dass ich es tatsächlich geschafft habe, sie anschließend zu ignorieren. Ich hab den Kontakt nicht abgebrochen oder so, aber ich konnte plötzlich mein Gehör und mein Gehirn ausschalten, wenn wieder Kommentare kamen. Nach ein paar ehrlichen Gesprächen mit meiner Mutter, die selbst auch nicht gerade zu der schlanken Deligation gehört, haben wir dann beschlossen, den Kampf gemeinsam aufzunehmen. Und siehe da, mit viiiiieeeel Sport, Ernährungsanpassung und KEINEN Kommentaren meiner Familie, sondern Unterstützung und Tipps (ich hätte nie gedacht, dass die dazu fähig sind!!!), hab ich es fast geschafft (fast). Die ersten 40 Kilo sind weg und ich werde auch noch mehr schaffen!
    Also, denk nicht mehr soviel an den gebeutelten Teeni, sondern schau nach vorn, dann klappt´s auch (vielleicht sogar mit dem Nachbarn ;-))
    Lieben Gruß und alles Gute
    Linda

  4. Requendel schreibt:

    Hi Linda,
    danke für Deine Geschichte, es finden sich dort wirklich viele Gemeinsamkeiten. Anscheinend ist das immer und immer wieder das Gleiche. Was treibt nur die Eltern dazu so grausam zu sein? Ich glaube die haben selbst eine Brille auf und können kaum nach rechts und links sehen. Unwissenheit und Ignoranz spielen mit und sicher auch unbewusste Familienstrukturen.
    Es ist klasse dass Du nun mit Deiner Mutter zusammen abnehmen kannst. Das hilft sicher auch Dein Verhältnis zu Deiner Familie zu verbessern.
    Ich schaue nach vorne und freu‘ mich, aber ich finde es auch wichtig noch einmal mit klaren Blick in die Vergangenheit zu schauen. Dann kann man die Dinge abschließen.
    Meine Familie reagiert eher immer noch nach dem alten Muster, nur bekomme ich jetzt Lob wegen meiner Figur. Immer noch ist es das erste was sie fragen und immer noch scheint es das zu sein was sie am meisten interessiert. Aber so sind sie eben und auch sie lernen dazu. Das Verhältnis mit meiner Schwester ist inzwischen sehr viel besser geworden und das genieße ich sehr. Ich denke wir werden auch noch mal darüber reden können.
    lg
    Renate

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